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Technikmesse IFA startet in Berlin - China im Fokus
Was einmal als Schaufenster deutscher Technik begann, ist heute Bühne für eine globale Industrie. Wer durch die IFA-Technikmesse geht, merkt schnell, dass sich die Gewichte verschoben haben: Die meisten Aussteller kommen aus China.
Als Willy Brandt auf der IFA 1967 nach einer 20 Minuten langen Rede einen roten Knopf drückte, war das Farbfernsehen in Westdeutschland gestartet [ndr.de]. Zumindest symbolisch: Tatsächlich hatte ein Techniker die Farbsignale schon kurz vorher freigeschaltet. Für die Besucherinnen und Besucher war es trotzdem ein Moment, der den Aufbruch in eine neue Fernseh-Ära markierte. Fast 60 Jahre später hat sich das Programm der Berliner Technikmesse deutlich verändert. Am Samstag tritt im Sommergarten die Rapperin Ikkimel auf – eine Künstlerin, deren Auftritt selbst Willy Brandt wohl die Sprache verschlagen hätte. Am Sonntag spielen Roboter Fußball beim RoboCup – keine Ahnung, was Willy Brandt dazu gesagt hätte. Die IFA verbindet inzwischen Technik, Popkultur und Entertainment. Und an kaum einem anderen Ort lässt sich so gut beobachten, wie sich die Welt der Technik verändert hat. Das gilt nicht nur für das, was auf den Bühnen und in den Messehallen gezeigt wird. Auch die Kräfteverhältnisse in der globalen Technologiebranche haben sich verschoben.
Der mit Abstand größte Aussteller kommt inzwischen nicht mehr aus Deutschland, Japan oder Südkorea – sondern aus China. 928 Unternehmen aus der Volksrepublik sind in diesem Jahr auf der IFA vertreten. Dazu kommen 84 Aussteller aus Hongkong. Aus Deutschland sind es 201. Und aus Japan? Gerade einmal fünf. Dabei waren japanische Konzerne wie Sony oder Panasonic früher prägend für die Unterhaltungselektronik. Diese stille Machtverschiebung ist auch dem Geschäftsführer der IFA aufgefallen: "China hat in den letzten vielen Jahren ganz gezielt darauf hingearbeitet, Innovationen nachhaltiger zu machen, hat auf Trends reagiert, hat verstanden, dass man auch Design und Langlebigkeit mit einbeziehen muss", sagt Leif Lindner, CEO der IFA, dem rbb. "Und deshalb sind sie im Augenblick vorne." Ein besonders sichtbares Beispiel für den Aufstieg chinesischer Technologieunternehmen ist Xiaomi [heise.de]. Der Konzern ist in diesem Jahr erstmals mit einem eigenen großen Auftritt auf der IFA vertreten und will zeigen: Wir sind mehr als ein Smartphone-Hersteller.
"Wir sind tatsächlich eine Tech-Firma", sagt Hua Zeng, Leiter der PR-Abteilung von Xiaomi für Westeuropa. Der Konzern setzt auf ein digitales Ökosystem, das er "Human, Car, Home" nennt. Menschen, Autos und das Zuhause sollen miteinander verbunden werden. Auf der IFA will Xiaomi deshalb nicht nur neue Smartphones zeigen. Der Konzern kündigt auch Roboter und ein neues Fahrzeug an. Für Zeng ist die Berliner Messe die perfekte Bühne, um Xiaomi in Europa neu zu präsentieren – nicht nur als Smartphone-Marke, sondern als Technologieunternehmen mit einem vernetzten Ökosystem. Der chinesische Hersteller steht damit beispielhaft für eine Entwicklung, die sich inzwischen in fast allen Hallen der IFA beobachten lässt. Chinesische Unternehmen präsentieren nicht mehr nur einzelne Geräte oder günstige Alternativen zu etablierten Marken. Sie zeigen ganze Produktwelten – von Smartphones über Haushaltsgeräte bis zu Autos und Robotern.
Der Wirtschaftsexperte Jürgen Matthes vom Institut der deutschen Wirtschaft erkennt durchaus an, dass chinesische Unternehmen technologisch aufgeholt haben. Sie hätten gute Ideen, investierten massiv in Forschung und Entwicklung und seien bei Innovationen oft schneller und effizienter. Auch der Staat investiere viel in Forschung und Bildung und bilde Jahr für Jahr große Zahlen von Ingenieurinnen und Ingenieuren aus. Doch Matthes sieht den Erfolg chinesischer Unternehmen nicht nur als Ergebnis von Können und Talent. Bei Elektroautos sind staatliche Subventionen in China gut dokumentiert. Für die Unterhaltungselektronik gibt es solche direkten Nachweise nicht. Matthes verweist aber auf andere staatlich geprägte W