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Feinstaub hängt mit Rheuma-Schüben zusammen
Rheumatoide Arthritis verläuft oft in schwer vorhersehbaren Schüben. Eine prospektive Studie aus Südkorea verbindet nun höhere Belastungen mit feinem Feinstaub PM2,5 mit mehr Krankheitsaktivität und einem erhöhten Schubrisiko. Besonders auffällig war der Zusammenhang bei länger anhaltender Belastung, doch die Beobachtungsdaten belegen keine Ursache.
Seoul (Südkorea). Die rheumatoide Arthritis ist eine entzündliche Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem vor allem die Gelenke angreift. Selbst bei wirksamer Behandlung kann die Krankheitsaktivität schwanken und in Schüben zunehmen, während Luftverschmutzung bereits mit dem Risiko für die Entstehung der Erkrankung in Verbindung gebracht wurde. Für bereits erkrankte Menschen war ihr Einfluss auf die laufende Krankheitsaktivität aber weniger gut geklärt.
Forscher der Seoul National University College of Medicine (SNUCM) um Dr. Eun Bong Lee haben nun untersucht, ob mehrere Luftschadstoffe mit der Aktivität einer bestehenden rheumatoiden Arthritis zusammenhängen. Die prospektive Kohortenstudie begleitete dazu Patienten eines südkoreanischen medizinischen Zentrums von Januar 2021 bis Dezember 2024 und erfasste ihre Krankheitsaktivität wiederholt bei ambulanten Terminen.
In die Analyse gingen 1.070 Patienten und insgesamt 12.583 ambulante Termine ein, für die die Forscher monatliche mittlere Belastungen mit sechs Luftschadstoffen bestimmten. Dazu gehörten Schwefeldioxid, Stickstoffdioxid, Ozon, Kohlenmonoxid sowie Feinstaub der Größenklassen PM10 und PM2,5, wobei PM2,5 Partikel mit einem Durchmesser von höchstens 2,5 Mikrometern umfasst.
Die statistischen Modelle berücksichtigten unter anderem demografische Merkmale, den Antikörperstatus, Medikamente, sozioökonomische Faktoren sowie Wetterdaten, und unter den sechs untersuchten Schadstoffen zeigte PM2,5 den konsistentesten Zusammenhang. Höhere Werte waren mit einem größeren Schubrisiko und mit ungünstigeren Werten in allen vier ausgewerteten Maßen der Krankheitsaktivität verbunden, darunter die Zahl druckschmerzhafter und geschwollener Gelenke.
„Unsere Studie ergab, dass eine höhere PM2,5-Konzentration mit einer erhöhten Krankheitsaktivität und einem höheren Schubrisiko verbunden war, besonders bei einer länger als zwei Wochen anhaltenden erhöhten PM2,5-Belastung“, erklärt Dr. Eun Bong Lee.
Für das Schubrisiko lag die bereinigte Odds Ratio, ein statistisches Maß für das Chancenverhältnis, bei 1,113, während das 95-Prozent-Konfidenzintervall von 1,017 bis 1,218 reichte. PM2,5 war außerdem mit höheren Werten im DAS28-CRP und im Clinical Disease Activity Index sowie mit mehr druckschmerzhaften und geschwollenen Gelenken verknüpft.
Als zusätzliche Kontrolle verglichen die Forscher in einer Fall-Crossover-Analyse die tägliche Schadstoffbelastung vor einzelnen Arztbesuchen innerhalb derselben Patienten, wobei sich der Zusammenhang mit Schüben vor allem bei einer kumulierten PM2,5-Belastung über mehr als zwei Wochen zeigte. Die Verbindung zwischen PM2,5 und dem DAS28-CRP war zudem bei Frauen und Nichtrauchern ausgeprägter.
Die Studie kann trotzdem nicht zeigen, dass Feinstaub die Schübe verursacht, weil es sich um Beobachtungsdaten aus einem einzelnen Zentrum in Südkorea handelt und die individuelle Schadstoffaufnahme nicht direkt an den einzelnen Patienten gemessen wurde. Auch unbeobachtete Unterschiede im Alltag oder in der Umgebung könnten einen Teil des Zusammenhangs erklären.
Als mögliche biologische Erklärung diskutieren die Forscher oxidativen Stress und Entzündungsreaktionen, denn PM2,5-Partikel können tief in die Lunge gelangen und mit systemischen Entzündungsprozessen zusammenhängen. Die aktuelle Untersuchung hat einen solchen Mechanismus bei rheumatoider Arthritis jedoch nicht direkt nachgewiesen.