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Landtagswahl: "Erst mal ist es ein Ergebnis für Sachsen-Anhalt"
In Sachsen-Anhalt könnte erstmals ein AfD-Politiker Ministerpräsident werden. Politikwissenschaftlerin Petra Dobner bezeichnet die Wahl als historisch, warnt aber vor voreiligen Rückschlüssen auf die Bundespolitik.
ARD-Hauptstadtstudio: Erstmals könnte die AfD in einem Bundesland den Ministerpräsidenten stellen - warum ausgerechnet in Sachsen-Anhalt?
Petra Dobner: Ich glaube, dass die AfD mit wenig Fakten und viel Emotionen agiert. Und Sachsen-Anhalt ist ein Land mit einer hohen Volatilität bei den Wählenden und offensichtlich auch mit einer großen Bereitschaft, dieses Experiment jetzt mal anzugehen. Was dabei rauskommt, werden wir in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren sehen. Wenn es überhaupt Jahre dauert.
Es wird ja immer gesagt, es ist die wirtschaftliche Lage, und natürlich gibt es viele Probleme. Aber dass es viele Probleme gibt, ist noch keine Begründung dafür, warum man Rechtsextremen glaubt, die versprechen, aus dem Stand heraus alles anders zu machen. Und das hängt, glaube ich, mit einer großen Frustration zusammen, nicht nur über die Wirtschaft. Fast die Hälfte ist bereit, etwas zu glauben, was sich nicht realisieren wird.
ARD-Hauptstadtstudio: In den vergangenen Wochen wurde über die besondere Rolle diskutiert, die Ostdeutschland spielt. Geht es hier auch darum, sich von den Westdeutschen unverstanden zu fühlen?
Dobner: Also zumindest sind die ostdeutschen Interessen ziemlich gut bedient und bewirtschaftet worden von der AfD - oder das, was man als ostdeutsche Interessen bezeichnet hat. Ob das jetzt die Simson ist, mit der man durch die Lande fährt, oder Chrupalla, der gerade im Fernsehen Merz vorwarf, die Ostdeutschen eben immer noch nicht verstanden zu haben. Offensichtlich hat es gezogen.
ARD-Hauptstadtstudio: Aber sehen Sie da einen realen Hintergrund?
Dobner: Meines Erachtens gab es in der gesamten Vorwendezeit, also in den Jahren seit dem Zweiten Weltkrieg bis zur Wiedervereinigung, genau diese Diskrepanz. Die Unterschiedlichkeit von Ost und West nicht nur seitens der Staaten, sondern auch der internationalen Gemeinschaft: als eiserner Vorhang, als ein Block. Es gab auch unterschiedliche Lebensrealitäten: Die einen konnten reisen, und die anderen konnten es nicht und so weiter. Es gab eine Über- und Unterordnung im politischen und auch im gesellschaftlichen Diskurs.
Ich glaube, es war ein Fehler anzunehmen, dass das 1990 einfach so verschwinden würde und mit dem Tag der Wiedervereinigung passé sei. Dadurch haben sich Mentalitäten gebildet, die nach meiner Wahrnehmung im Osten neu erstarkten, auch gerade bei den Jungen - sozusagen ein neues ostdeutsches Gefühl. Soweit die Beobachtung, sinnvoll finde ich das nicht. Weil damit Traditionen wiederbelebt werden, die mit den Realitäten an vielen Stellen gar nichts mehr zu tun haben.
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