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Offline-Karten auf E-Ink: Fahrradnavi als Open-Source-Projekt
Eine GPS-Karte am Lenker, die auch bei praller Sonne ablesbar ist, verspricht das Projekt OpenTrailPaper, das auf einem E-Ink-Display für rund 90 Euro basiert.
Radfahrer kennen das Problem mit dem Smartphone am Lenker, das bei Sonnenschein kaum ablesbar ist. Das Open-Source-Projekt OpenTrailPaper setzt dagegen auf ein E-Paper-Display, bei dem Sonnenlicht die Lesbarkeit sogar verbessert.
Die Firmware des Entwicklers RaemondBW verwandelt das LilyGO T5S3 4.7" E-Paper PRO in einen GPS-Fahrradcomputer, der Offline-Karten anzeigt, Fahrten als FIT-Dateien aufzeichnet und sich zukünftig auch per Bluetooth 5 mit Herzfrequenz-, Leistungs- und Trittfrequenzsensoren verbinden soll.
Das Entwicklerboard bringt dafür alles auf einer Platine mit: ESP32-S3-Prozessor, ein 4,7 Zoll großes Display mit 960 × 540 Pixeln, GPS-Modul und microSD-Kartenslot. Bei Amazon Deutschland kostet es 96 Euro.
Um nicht auf eine Mobilfunkverbindung angewiesen zu sein, speichert OpenTrailPaper seine Kartendaten auf der microSD-Karte. Die Karten basieren auf OpenStreetMap und werden in hexagonale Kacheln nach dem H3-Rastersystem von Uber aufgeteilt, wobei jede Kachel rund 36 km² abdeckt. Erzeugen lassen sie sich wahlweise über die Companion-App für iOS und Android, ein Python-Skript oder direkt im Browser.
Einmal geladen, arbeitet der Radcomputer völlig unabhängig vom Smartphone. In die Kacheln sind auch Höhendaten aus einem digitalen Geländemodell (DEM) eingebettet, weil das Board keinen eigenen Höhenmesser besitzt. Ein weiteres Feature nutzt den integrierten LoRa-Funk: Als Meshtastic-Knoten kann das Gerät Textnachrichten ohne Handynetz mit anderen Fahrern austauschen. „Offline messaging with your buddies on the ride“, wie der Entwickler auf X schrieb.
Allerdings muss sich der DIY-Radcomputer an kommerziellen Geräten wie dem Garmin Edge 540 (ab rund 300 Euro) oder dem Wahoo ELEMNT Bolt (ab 280 Euro) messen lassen, und da zeigen sich klare Schwächen. Das Board ist nicht wasserdicht und muss für Regenfahrten in einen Zip-Beutel verpackt werden. Da ein barometrischer Höhenmesser fehlt, wird die Steigung lediglich aus den DEM-Daten geschätzt. Der GPS-Empfänger arbeitet als Single-Band-Modul unter Baumkronen deutlich ungenauer als Multi-Band-Empfänger aktueller Garmin-Geräte, und ohne Magnetometer lässt sich die Karte im Stand nicht nach Norden ausrichten. Auch die Bedienung per Touchscreen sei bei Regen oder mit Winterhandschuhen problematisch, räumt die Projektdokumentation ein. Die gemessene Akkulaufzeit liegt bei rund 8 Stunden.
Laut dem GitHub-Repository sei die Firmware mit Unterstützung des KI-Assistenten Claude entstanden, jedoch „unter menschlicher Aufsicht“. Der Quellcode steht unter der Apache-2.0-Lizenz, und die Firmware lässt sich ohne Toolchain direkt über Web Serial in Chrome oder Edge auf das Board flashen.
(mch)
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