// HEISE ONLINE — MODA & SOCIETÀ
Volkswagen prüft Verkauf seiner Motorradmarke Ducati
Im Rahmen des Zukunftsplans 2030 prüft VW den Verkauf von Ducati. Audi-Chef Döllner bestätigt die Evaluierung, betont aber: Noch sei nichts entschieden.
This article is also available in
English.
It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Volkswagen erwägt im Zuge seiner umfassenden Restrukturierung den Verkauf des italienischen Motorradherstellers Ducati. Die Premiummarke gehört über die Audi-Sparte zum Konzern und ist Teil der sogenannten Progressive Brand Group, zu der auch Bentley und Lamborghini zählen. Ducati ist damit eine von rund 600 Gesellschaften, die Volkswagen derzeit aus einem Gesamtportfolio von etwa 2000 Beteiligungen überprüft. Die Prüfung ist Teil des Zukunftsplans 2030, mit dem der Konzern sein Beteiligungsportfolio um rund ein Drittel straffen will.
Audi-Chef Gernot Döllner bestätigte die Evaluierung in einem Bloomberg-Interview. „Innerhalb der Volkswagen Group sind wir einem disziplinierten, verantwortungsvollen Portfoliomanagement verpflichtet“, sagte Döllner. „Es ist Teil des Evaluierungsprozesses, dass wir auch über Ducati sprechen werden, aber es ist noch nichts entschieden“. Döllner leitet als Audi-Vorstandsvorsitzender zugleich die Progressive Brand Group und ist Mitglied des Volkswagen-Konzernvorstands. Er kann Szenarien erarbeiten und dem Vorstand empfehlen, die finale Entscheidung über einen möglichen Verkauf liegt jedoch beim Konzernvorstand unter Oliver Blume im Zusammenspiel mit dem Aufsichtsrat.
Die Portfolioprüfung folgt dem sogenannten „Necessity-to-own“-Prinzip: Beteiligungen werden nur gehalten, wenn sie für das automobile Kerngeschäft strategisch, operativ oder rechtlich notwendig sind. VW will damit bis zu 15 Milliarden Euro Nettoliquidität freisetzen, Kapital, das der Konzern dringend für Investitionen in Elektromobilität, Softwareplattformen und die Restrukturierung benötigt. Im Zukunftsplan 2030 sind allein für die Jahre 2027 bis 2031 rund 135 Milliarden Euro an Investitionen vorgesehen. Gleichzeitig sollen rund 50.000 Stellen abgebaut und die Modellpalette um die Hälfte reduziert werden.
Ducati erwirtschaftete im Geschäftsjahr 2025 einen Umsatz von 925 Millionen Euro bei einem operativen Gewinn von 52 Millionen Euro, entsprechend einer Umsatzrendite von 5,6 Prozent. Das klingt solide, ist gegenüber dem Vorjahr allerdings ein deutlicher Rückgang: 2024 lag der Umsatz noch bei gut einer Milliarde Euro, das EBIT bei 91 Millionen Euro. Die Auslieferungen sanken von rund 54.500 auf knapp 51.000 Motorräder. Als Gründe nennt Audi eine schwächere Nachfrage, stärkeren Wettbewerb sowie negative Wechselkurs- und US-Zolleffekte.
Gemessen am Audi-Gesamtumsatz von gut 65,5 Milliarden Euro macht Ducati mit knapp 1,4 Prozent einen überschaubaren Anteil aus. Auch der EBIT-Beitrag liegt bei rund 1,5 Prozent. Im Gesamtkonzern mit einem Enterprise Value von mehreren Dutzend Milliarden Euro ist Ducati finanziell ein kleiner Baustein. Der strategische Markenwert durch die MotoGP-Weltmeisterschaften, italienisches Design und eine treue Kundschaft lässt sich in diesen Zahlen freilich kaum abbilden.
Analysten von Bloomberg Intelligence schätzen den Unternehmenswert von Ducati auf rund 1,25 Milliarden Euro. Interne Dokumente zielen Berichten zufolge auf etwa eine Milliarde Euro Nettoerlös. Medienberichte erwähnen zudem ein angebliches Kaufangebot der italienischen Investmentgesellschaft Patritalia über 2,5 Milliarden Euro, das Volkswagen offiziell nicht kommentiert. Patritalia hatte damit Interesse an einem Erwerb signalisiert, ein konkreter Verkaufsprozess wurde von Volkswagen aber dementiert.
Als mögliche Käufer kommen Finanzinvestoren mit Fokus auf Konsumgüter infrage, die Ducati als eigenständigen Premium-Brand führen könnten. Daneben werden asiatische Mobilitätskonzerne genannt, die ihr Premiumsegment stärken wollen. Europäische Motorradhersteller wären strategisch denkbar, stünden aber vor wettbewerbsrechtlichen Hürden.
Trotz der Bestä