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Schweiz baut Alternative zu Microsoft 365 auf
Die Schweizer Bundeskanzlei startet ein Programm für eine souveräne Arbeitsplatzsoftware. Rund 3000 Beschäftigte sollen sie nutzen.
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Die Schweizer Bundeskanzlei startet ein Programm für eine „souveräne Arbeitsplatzsoftware“. Ab Ende 2027 sollen rund 3000 ausgewählte Beschäftigte der Bundesverwaltung die Plattform nutzen können. In der ersten Phase will die Bundeskanzlei die Umgebung aufbauen; dafür rechnet sie mit Kosten von rund 9 Millionen Schweizer Franken. Die neue Lösung soll eigenständig laufen, aber parallel zu Microsoft 365 betrieben werden.
Die Bundesverwaltung setzt damit ihren zweigleisigen Kurs fort: Sie führt M365 als Standardumgebung ein, prüft aber zugleich Open-Source-Software für ausgewählte Szenarien. Im c't-Interview zur Abhängigkeit der Schweizer Bundesverwaltung von Microsoft hatte deren IT-Chef 2025 den parallel laufenden Test der Kollaborationssuite openDesk erläutert. Das Projekt BOSS soll unter anderem ausloten, wie sich eine Notfall-Büroautomation und die sichere Bearbeitung sensibler Informationen umsetzen lassen.
Das neue Programm richtet sich an Beschäftigte aus verschiedenen Departementen und der Bundeskanzlei, die in besonders kritischen Geschäftsprozessen arbeiten. Die Plattform soll Office-Kernfunktionen bereitstellen, darunter E-Mail, Kalender, Dokumente und Präsentationen, Telefonie sowie Audio- und Videokonferenzen. Details nennt die Mitteilung der Bundeskanzlei zum Programm für einen digital souveränen Arbeitsplatz. Die Bundeskanzlei verspricht damit jedoch keinen vollständigen Ersatz für M365, sondern zunächst eine zusätzliche Arbeitsumgebung.
Digitale Souveränität als Grundlage einer resilienten IT ist zu einem wichtigen Thema für Unternehmen geworden. Auf dem IT Summit 2026 lassen wir die abstrakten Debatten hinter uns und konzentrieren uns auf die konkrete Umsetzung: Renommierte Experten und Praktiker zeigen, wie Unternehmen in den Bereichen KI, digitaler Arbeitsplatz und Infrastruktur souveräner werden.
Ob der Bund die Software später breiter einführt und wie hoch die Kosten eines Regelbetriebs wären, will die Bundeskanzlei erst anhand der Erkenntnisse aus dieser ersten Phase bewerten. Das Geld stammt aus Mitteln, die das Parlament für den Aufbau einer souveränen Schweizer Open-Source-Plattform für die Büroautomation bereitgestellt hat.
Ausgangspunkt ist die abgeschlossene Machbarkeitsstudie PoC BOSS, wobei BOSS für „Büroautomation mit Open-Source-Software“ steht. Die Bundeskanzlei wollte damit klären, ob sich eine Open-Source-basierte Arbeitsplatzumgebung für bestimmte Aufgaben technisch und betrieblich eignet. Der technische Abschlussbericht des Bundesamts für Informatik und Telekommunikation bezeichnet openDesk als geprüfte Alternative und Open-Source-basierte Workplace-Suite für die Bundesverwaltung.
Für den Praxistest erhielten 172 Personen aus allen Departementen Zugang zu einer browserbasierten openDesk-Umgebung. 73 davon bewerteten die vorgegebenen Testszenarien. Sie umfassten etwa Dateiarbeit, gemeinsame Dokumentbearbeitung, E-Mail mit Anhängen, Chat, Bildschirmfreigabe in Online-Besprechungen, Aufgabenverwaltung und Wiki-Funktionen. Über alle zwölf bewerteten Szenarien lag der Durchschnitt bei 5,4 von 6, wobei die Bewertungen je nach Departement deutlich variierten. Details nennt der Ergebnisbericht zum User-Acceptance-Test.
Die Bundeskanzlei ordnet das Vorhaben in ihre Strategie für digitale Souveränität ein. Den Begriff versteht die Schweiz nicht als vollständige Unabhängigkeit von Herstellern oder Technologien. Vielmehr soll die Verwaltung ihre Kontroll- und Handlungsfähigkeit im digitalen Raum erhalten und Abhängigkeiten, Datenschutz, Informationssicherheit, Kosten sowie Resilienz systematisch gegeneinander abwägen. Die Leitlinien für digitale Souveränität in der Bundesverwaltung sind wurden im Dezember 2025 beschlossen