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Passivrauchen verursacht 1,66 Millionen vorzeitige Todesfälle pro Jahr
Rund ein Drittel der Weltbevölkerung war 2023 Passivrauch ausgesetzt, darunter 767 Millionen Kinder unter 15 Jahren. Eine globale Modellanalyse ordnet dieser Belastung 1,66 Millionen vorzeitige Todesfälle und 44,8 Millionen verlorene gesunde Lebensjahre zu, obwohl der altersstandardisierte Anteil der Exponierten seit 1990 deutlich gesunken ist.
Seattle (U.S.A.). Passivrauch entsteht, wenn Nichtraucher Tabakrauch aus der Umgebung einatmen. Die Belastung trifft damit Menschen, die selbst nicht rauchen, und kann Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Atemwegserkrankungen und Krebs begünstigen.
Die World Health Organization (WHO) bewertet Passivrauch als Gesundheitsrisiko ohne sichere Expositionsgrenze. Nach ihren aktuellen Angaben sind zwar mehr als ein Drittel der Weltbevölkerung in 79 Staaten durch umfassende nationale Rauchverbote geschützt. Ein großer Teil der Bevölkerung bleibt jedoch weiterhin unzureichend vor Tabakrauch in gemeinsam genutzten Räumen geschützt.
Wie groß dieses Problem weltweit ist, hat das internationale Team des Global Burden of Disease Study 2023 (GBD 2023) nun systematisch untersucht. Dafür haben die Forscher Bevölkerungsumfragen und Angaben zur Zusammensetzung von Haushalten für 204 Länder und Gebiete zusammengeführt und die Exposition von 1990 bis 2023 nach Alter und Geschlecht modelliert.
Für die Schätzung nutzte das Team ein räumlich-zeitliches Gaußprozessmodell. Zusätzlich wurden relative Risiken für neun gesundheitliche Folgen bestimmt, darunter erstmals auch Asthma in dieser Analyse. Daraus berechneten die Forscher Todesfälle und behinderungsbereinigte Lebensjahre, sogenannte DALYs. Ein DALY entspricht einem verlorenen Jahr in voller Gesundheit.
Die Ergebnisse sind damit keine Zählung eindeutig zuordenbarer Einzelfälle. Sie geben vielmehr an, welcher Anteil von Todesfällen und Krankheitslast unter den Annahmen des GBD-Modells statistisch der Passivrauchbelastung zugerechnet wird. Die angegebenen Unsicherheitsintervalle spiegeln die Spannweite dieser Schätzungen wider.
Für 2023 schätzt die Studie 2,71 Milliarden exponierte Menschen weltweit. Das 95-Prozent-Unsicherheitsintervall reicht von 2,44 bis 3,02 Milliarden. Unter den Betroffenen waren rund 767 Millionen Kinder im Alter von null bis 14 Jahren.
Die höchste altersstandardisierte Expositionsrate erreichten Südostasien, Ostasien und Ozeanien mit 48,4 Prozent. In einzelnen Ländern lag die Expositionsrate von Frauen fast 1,8-mal so hoch wie die von Männern. Solche Unterschiede treten besonders dort hervor, wo Männer deutlich häufiger rauchen und Frauen deshalb stärker dem Rauch anderer ausgesetzt sind.
Global ist die altersstandardisierte Expositionsrate seit 1990 um 22,2 Prozent gesunken. Die absolute Zahl exponierter Menschen blieb dennoch nahezu unverändert. In Subsahara-Afrika stieg sie im selben Zeitraum um geschätzte 98,5 Prozent, in Nordafrika und dem Nahen Osten um 72,1 Prozent. Nach Angaben der Autoren trägt vor allem das Bevölkerungswachstum dazu bei, dass der Rückgang des Anteils nicht überall zu weniger Betroffenen führt.
Für 2023 ordnet die Analyse dem Passivrauch weltweit 1,66 Millionen Todesfälle zu. Das Unsicherheitsintervall liegt zwischen 1,33 und 2,07 Millionen. Hinzu kommen 44,8 Millionen DALYs, also verlorene Jahre in voller Gesundheit durch vorzeitigen Tod oder Krankheit.