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KI-Wirkstoff gegen Lungenfibrose lässt biologische Alterswerte sinken
Ein mit generativer KI entwickelter Wirkstoff gegen idiopathische Lungenfibrose könnte neben der Lungenerkrankung auch altersbezogene Prozesse beeinflussen. In einer kleinen klinischen Teilstudie sank das von sechs Blutprotein-Modellen geschätzte biologische Alter unter Rentosertib. Ob der Körper dadurch tatsächlich langsamer altert, ist jedoch noch offen.
Cambridge (U.S.A.). Das kalendarische Alter beschreibt nur, wie viele Jahre ein Mensch gelebt hat, während das sogenannte biologische Alter widerspiegeln soll, wie stark Zellen und Organe bereits von Alterungsprozessen geprägt sind. Dafür nutzen Forscher unter anderem biologische Altersuhren, die typische Veränderungen von Molekülen im Körper auswerten.
Besonders eng mit dem Altern verknüpft ist die idiopathische Lungenfibrose, bei der das Lungengewebe zunehmend vernarbt und die Atmung immer schwerer wird. Viele der beteiligten Prozesse überschneiden sich mit bekannten Merkmalen des Alterns, darunter Zellalterung, Entzündungsreaktionen und veränderte Stoffwechselwege.
Forscher von Insilico Medicine AI Limited um Alex Zhavoronkov haben nun untersucht, ob der experimentelle Lungenfibrose-Wirkstoff Rentosertib auch solche Alterungssignale verändert. Das Mittel hemmt das Protein TNIK, wobei sowohl dieses Angriffsziel als auch die chemische Struktur des Wirkstoffs mit KI-gestützten Verfahren ausgewählt beziehungsweise entwickelt wurden.
Grundlage der Analyse war eine bereits abgeschlossene, randomisierte und placebokontrollierte Phase-IIa-Studie mit mehreren Dosierungen. Für die neue Auswertung standen Blutproben von 42 asiatischen Patienten mit idiopathischer Lungenfibrose zur Verfügung, die im Mittel 67,1 Jahre alt waren und zu Studienbeginn sowie nach zwei, vier und zwölf Wochen untersucht wurden.
In den Serumproben bestimmten die Forscher die Konzentration von 2.841 Proteinen und ließen sechs unabhängig entwickelte Rechenmodelle daraus ein biologisches Alter ableiten. Vier Modelle waren auf das kalendarische Alter trainiert und zwei auf das Sterberisiko, dennoch zeigten alle sechs in den Rentosertib-Gruppen eine Verschiebung hin zu einem niedrigeren vorhergesagten biologischen Alter, während sich unter Placebo wenig veränderte.
„In dieser Studie verglichen wir anhand klinischer Daten die Proteinprofile im Blut von Lungenfibrose-Patienten unter Rentosertib mit denen unter Placebo“, sagt Ludger Goeminne von der Harvard Medical School (HMS).
Am deutlichsten war das Signal nach vier Wochen, denn insgesamt bestanden 21 von 54 Vergleichen zwischen den drei Dosierungsgruppen und Placebo die statistische Korrektur, davon elf von 18 Vergleichen in Woche vier. Die zweimal tägliche Gabe von 30 Milligramm lieferte die konsistentesten Ergebnisse. In der offiziellen Studienmitteilung beziffert Insilico Medicine die dort gemessene Verschiebung je nach Altersuhr auf ungefähr drei bis vier Jahre, bei einem Modell zeitweise auf fast sechs Jahre.
„Über alle Modelle hinweg sagten die Uhren in der Rentosertib-Gruppe ein geringeres biologisches Alter voraus“, sagt Jing-Dong J. Han von der Peking University (PKU).
Die Forscher prüften anschließend, ob das Ergebnis lediglich eine Folge der gebesserten Lungenerkrankung sein könnte, und verglichen die Proteinveränderungen dafür mit Altersmustern von 55.319 älteren Teilnehmern der UK Biobank. Von 2.832 Proteinen, die in beiden Datensätzen vorkamen, waren 758 klar mit dem Alter verbunden, und die durch Rentosertib beeinflussten Proteine waren in dieser Gruppe rund 1,74-mal häufiger vertreten als statistisch zu erwarten.