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Klimawandel erhöht die Gesundheitsrisiken in Europas Städten
Europas Stadtbewohner sind immer stärker gesundheitlichen Klimarisiken ausgesetzt. Ein neuer Überblick über mehr als 850 Städte zeigt, dass die hitzebedingte Sterblichkeit in fast allen untersuchten Städten gestiegen ist. Zugleich nehmen Risiken durch Waldbrandrauch, krankheitsübertragende Mücken, Vibrionen und allergene Pollen zu.
Barcelona (Spanien). Europa ist stark urbanisiert. Rund drei Viertel der Bevölkerung leben laut Lancet Countdown Europe in Städten, die zugleich viele Klimarisiken bündeln und wichtige Stellschrauben für Anpassung und Klimaschutz bieten. Grünflächen und Stadtbäume können dabei Hitzebelastung und Luftverschmutzung mindern, doch vielerorts wächst der gesundheitliche Druck schneller als die Anpassung.
Für den neuen Städtebericht hat ein internationales Forschungsteam 28 Indikatoren zu Klima und Gesundheit aus mehr als 850 europäischen Städten ausgewertet. Dazu wurden unter anderem auf Stadtebene aufbereitete Daten des Statistischen Amts der Europäischen Union mit weiteren Datensätzen kombiniert. Die Indikatoren reichen von hitzebedingter Sterblichkeit über Rauch aus Flächenbränden und Infektionsrisiken bis zu Pollen und Stadtbäumen.
Die deutlichste Entwicklung zeigt die Hitze. In 98,7 Prozent der untersuchten Städte war die hitzebedingte Sterblichkeit von 2015 bis 2024 höher als im Vergleichszeitraum 1991 bis 2000. Im europäischen Mittel lag die Zunahme bei 82 Todesfällen je eine Million Einwohner. Westeuropa kam auf 64 zusätzliche Todesfälle je Million, Südeuropa auf 132. Für den Süden entspricht das einem Anstieg um 161 Prozent.
Auch die Belastung durch Rauch von Flächenbränden hat zugenommen. Zwischen 2003 und 2023 nahm die Zahl der Tage mit Rauchbelastung europaweit um sieben Prozent zu. In knapp zehn Prozent der Städte stieg die Belastung, in rund vier Prozent ging sie zurück. Besonders deutlich war die Zunahme in süd- und osteuropäischen Städten.
Bei mehreren klimaempfindlichen Infektionskrankheiten zeigen die Indikatoren ebenfalls deutliche Veränderungen. Das durchschnittliche Übertragungsrisiko für Dengue stieg in europäischen Städten 2015 bis 2024 um 111 Prozent gegenüber 1981 bis 2010. In osteuropäischen Städten lag der Anstieg bei 369 Prozent, in Westeuropa bei 159 Prozent. Ähnliche Trends verzeichnete das Team für Chikungunya und Zika.
Für Deutschland weist der Bericht zudem einen Anstieg der für nicht choleraauslösende Vibrionen geeigneten Übertragungsbedingungen um 60 Prozent aus. Verglichen wurden die Jahre 2015 bis 2024 mit dem Zeitraum 1982 bis 2010. Die Bakterien kommen vor allem in warmem Brack- und Salzwasser vor, weshalb Küstenstädte an Nord- und Ostsee besonders relevant sind.
Gleichzeitig hat sich in vielen Städten die Belastung mit allergenen Pollen erhöht. Für Berlin lag die Belastung mit Birkenpollen 2015 bis 2024 um 66 Prozent über dem Vergleichszeitraum 1991 bis 2000. Für Brüssel betrug der Anstieg 82 Prozent, in Teilen Osteuropas sogar mehr als 100 Prozent. Auch Olivenpollen in Spanien und Erlenpollen in Osteuropa nahmen deutlich zu.
Stadtbäume können Hitzestress mindern und die Luftqualität verbessern. Dennoch ging die Baumkronenbedeckung in deutschen Städten von 2000 bis 2020 im Mittel um knapp zwei Prozent zurück. Die Wirtschaftskommission für Europa der Vereinten Nationen (UNECE) empfiehlt als Faustregel mindestens 30 Prozent Baumkronenbedeckung in jedem Stadtviertel. Nach dem Städtebericht erreichen in Europa nur 14 Prozent der untersuchten Städte diesen Wert.
Der Bericht macht damit nicht nur Gesundheitsrisiken sichtbar, sondern auch Ansatzpunkte für Gegenmaßnahmen. Städte können etwa durch mehr Grün, hitzeangepasste Planung, klimafreundlichere Mobilität und eine bessere Vorbereitung des Gesundheitswesens gleichzeitig Belastungen senken und Emissionen reduzieren. Gerade weil ein großer Teil der europäischen Bevölkerung in Städten lebt, entscheidet die lokale Umsetzung wesentlich darüber, wie wirksam Klimaanpassung im Alltag wird.