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Sehr heiße Getränke erhöhen das Risiko für Speiseröhrenkrebs
Wie heiß Tee oder Kaffee getrunken werden, könnte für das Krebsrisiko eine Rolle spielen. In einer prospektiven Beobachtungsstudie mit 977.282 Erwachsenen war die Vorliebe für „sehr heiße“ Getränke mit einem mehr als dreifach höheren Risiko für Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre verbunden. Für Adenokarzinome zeigte sich dieser Temperaturzusammenhang nicht.
Oxford (England). Speiseröhrenkrebs tritt in verschiedenen Formen auf. Beim Plattenepithelkarzinom entarten Zellen der inneren Speiseröhrenauskleidung, während Adenokarzinome aus Drüsenzellen hervorgehen. Frühere Studien aus Asien, Afrika, Südamerika und dem Nahen Osten hatten sehr heiße Getränke bereits vor allem mit Plattenepithelkarzinomen in Verbindung gebracht.
Auch die International Agency for Research on Cancer (IARC), die Krebsforschungsagentur der Weltgesundheitsorganisation, bewertet das Trinken von Getränken über 65 Grad Celsius als wahrscheinlich krebserregend für den Menschen. Diese Schwelle lässt sich aber nicht direkt auf die neue Untersuchung übertragen, weil dort keine tatsächlichen Getränketemperaturen gemessen wurden.
„Internationale Forschung zeigt seit Langem, dass das Trinken von Getränken wie Mate bei sehr hohen Temperaturen, wie es in Südamerika üblich ist, mit einem erhöhten Risiko für bestimmte Formen von Speiseröhrenkrebs verbunden ist“, erklärt Dr. Keren Papier.
Forscher der University of Oxford unter Leitung von Dr. Keren Papier haben Daten aus der Million Women Study und der UK Biobank zusammengeführt. Insgesamt gingen 977.282 Erwachsene in die Analyse ein. Die Teilnehmer gaben an, ob sie heiße Getränke gewöhnlich „warm“, „heiß“ oder „sehr heiß“ tranken und wie viele Tassen Tee und Kaffee sie pro Tag konsumierten.
Die Nachbeobachtung dauerte in der Million Women Study im Mittel 14,2 Jahre und in der UK Biobank 11,1 Jahre. In dieser Zeit traten 2.348 Fälle von Speiseröhrenkrebs auf, darunter 1.045 Plattenepithelkarzinome und 1.303 Adenokarzinome. Die Forscher berechneten für beide Kohorten zunächst getrennte Risikoschätzer und führten sie anschließend zusammen.
„Dies ist nun die größte Studie, die diese Frage in einer britischen Bevölkerung untersucht hat, in der viele Menschen täglich Tee und Kaffee trinken“, sagt Dr. Keren Papier.
Am deutlichsten war der Zusammenhang mit der bevorzugten Trinktemperatur. Personen, die ihre Getränke als „sehr heiß“ beschrieben, hatten gegenüber der Gruppe mit „warmen“ Getränken ein 3,17-faches relatives Risiko für Plattenepithelkarzinome. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 2,49 bis 4,03. Beim Adenokarzinom lag der entsprechende Risikoschätzer bei 0,92 und zeigte damit keinen klaren Temperaturzusammenhang.
Auch die Häufigkeit spielte eine Rolle. Nach Berücksichtigung der bevorzugten Temperatur war der Konsum von mindestens sechs heißen Getränken täglich gegenüber weniger als sechs mit einem um 71 Prozent höheren Risiko für Plattenepithelkarzinome verbunden. Für Adenokarzinome war der Zusammenhang mit einem Risikoschätzer von 1,19 deutlich schwächer.
Aus den Daten schätzt das Team, dass etwa 14 Prozent der Plattenepithelkarzinome in der untersuchten Bevölkerung vermeidbar sein könnten, wenn Menschen mit einer Vorliebe für „sehr heiße“ Getränke stattdessen Temperaturen aus der Kategorie „heiß“ wählen würden. Dieser Wert ist eine populationsbezogene Modellschätzung und keine Vorhersage für einzelne Personen.