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Jellyfin 12.0 setzt Optimierungen des Vorgängers um
Ende Juli gab es einen Führungswechsel beim Medienserver Jellyfin. Gründer und Projektleiter Joshua Boniface und das langjährige Kernteam-Mitglied Anthony Lavado verließen das Projekt. Bereits einige Tage vorher hatte Andrew Rabert, einer der ursprünglichen Mitgründer, dem Projekt den Rücken gekehrt. Diese nur relativ kurz angekündigten Abgänge führten im Netz zu Befürchtungen, die beliebte und weitverbreitete Alternative zu Plex würde diese Verluste nicht verkraften.
Das hat sich zum Glück nicht bewahrheitet, wie die kürzlich erfolgte Aktualisierung zu Jellyfin 12.0 belegt. Mit v10.11 fanden umfangreiche Änderungen am Backend und der Datenbank zur Verbesserung der Leistung und langfristigen Erweiterbarkeit und Wartbarkeit statt. Darauf baut nun v12.0 auf und optimiert die Leistung bei großen Mediatheken, die jetzt flüssiger im Zugriff sind. Die Optimierung ist laut den Entwicklern noch nicht abgeschlossen, aber eindeutig spürbar.
Eine der größten Änderungen betrifft die Art und Weise, wie Wiedergabelisten und Sammlungen gespeichert werden. Früher wurde der gesamte Inhalt einer Wiedergabeliste als eine einzige große Liste innerhalb der Wiedergabeliste selbst gespeichert, und die Datenbank hatte keinen Zugriff auf diese Liste. Bei jeder Aktion musste diese Liste komplett geladen werden, was viel Zeit kostete. Jetzt bildet jeder Eintrag in einer Wiedergabeliste eine eigene Zeile. Die Datenbank kann jetzt Zeilen zählen, eine Seite zurückgeben und einen einzelnen Eintrag hinzufügen oder entfernen, ohne den Rest zu beeinflussen. Dies dürfte daher bei umfangreichen Wiedergabelisten eine erhebliche Verbesserung darstellen. Sammlungen und Boxsets wurden auf dieselbe Weise gespeichert und profitieren ebenfalls von dieser Korrektur.
Die Verwaltung von Büchern und Comics trat bisher in Jellyfin oft zugunsten der Videowiedergabe in den Hintergrund. Diese Version beginnt, dies zu ändern. Der Großteil der Funktionen, die bisher vom Bookshelf-Plugin übernommen wurden, wurde nun auf den Server selbst verlagert. Das Plugin ist damit als veraltet markiert.
Das bisher als experimentell ausgelieferte Layout ist nun auf Desktop- und Mobilgeräten die Standardeinstellung und wird als Modern bezeichnet. Das bisherige Layout ist weiterhin verfügbar und wird nun als Legacy bezeichnet. Bei Fernsehgeräten bleibt alles beim Alten: TV-Geräte verwenden weiterhin das TV-Layout, das nach wie vor auf der Legacy-App läuft.
Seit der ersten Ausgabe als freier Fork von Emby trug Jellyfin die Hauptversionsnummer 10 und zählte erst an der zweiten Stelle hoch. Dies geschah, da die Entwickler von einem künftig notwendigen Bruch der API-Architektur ausgingen, der dann die Versionsnummer 11 tragen sollte, aber nie notwendig wurde. Das führte dazu, dass etwa die massive Überarbeitung der Datenbank mit v10.11 eher wie ein Minor-Update wirkten. Um daraus entstehende Verwirrung bei den Anwendern zu vermeiden, wurde jetzt ein klarer Schnitt gemacht und die neue Version als 12.0 veröffentlicht.
Um das Upgrade sauber über die Bühne zu bekommen, muss mindestens v10.10.7 installiert sein. Zudem müssen alle Benutzernamen, die sich lediglich in der Groß-/Kleinschreibung unterscheiden, geändert werden, um einen Migrationsfehler zu vermeiden, da in Version 12 die Groß-/Kleinschreibung nicht mehr berücksichtigt wird. Darüber hinaus müssen alle Plug-ins von Drittanbietern vor dem Update vorübergehend entfernt werden, da das Backend auf .NET 10 umgestellt wird. Hier müssen die Plug-in-Autoren ihre Erweiterungen auf das neue Backend umstellen. Offizielle Plug-ins sind davon nicht betroffen.
Im Rahmen der Anpassung der Speicherung von alternativen Versionen wird nach dem Update ein neuer Datenbank-Scan erforderlich sein, der wesentlich länger als üblich dauern kann und nicht unterbrochen werden darf.