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Tomatenmark verbessert Werte in mehreren Denk- und Gedächtnistests
Tomatenmark könnte bestimmte geistige Leistungen im mittleren Erwachsenenalter verbessern. In einer randomisierten Crossover-Studie schnitten 42 gesunde Teilnehmer nach drei Monaten täglichem Konsum bei Tests zur selektiven Aufmerksamkeit und zum assoziativen Gedächtnis besser ab als nach einer lycopinarmen Kontrollphase. Wegen der kleinen, unverblindeten Studie sind die Befunde vorläufig.
Barcelona (Spanien). Tomaten liefern besonders viel Lycopin, einen roten Pflanzenfarbstoff aus der Gruppe der Carotinoide, der die Blut-Hirn-Schranke überwinden kann und antioxidativ sowie entzündungshemmend wirkt. Ob der regelmäßige Verzehr von Tomaten bei gesunden Menschen messbare kognitive Vorteile bringt, war bislang aber kaum in kontrollierten Interventionsstudien untersucht.
Unklar ist zudem, ob mögliche Effekte tatsächlich auf Lycopin zurückgehen, denn Tomaten enthalten neben dem Farbstoff weitere Carotinoide, Vitamine und Polyphenole. Eine Wirkung des ganzen Lebensmittels lässt sich deshalb nicht ohne Weiteres einem einzelnen Inhaltsstoff zuschreiben.
Forscher der University of Barcelona (UB) um Marina Corrado haben nun 47 gesunde Erwachsene zwischen 40 und 55 Jahren in einer randomisierten Crossover-Studie untersucht. Jeder Teilnehmer durchlief in zufälliger Reihenfolge eine dreimonatige Phase mit täglichem konzentriertem Tomatenmark und eine ebenso lange Phase mit lycopinarmer Ernährung, getrennt durch eine einmonatige Auswaschphase.
42 Teilnehmer beendeten beide Phasen und verzehrten während der Tomatenmark-Phase im Mittel 34,6 Gramm pro Tag, was etwa 38,4 Milligramm Lycopin entsprach. Die Lycopinwerte im Blut stiegen dabei nahezu auf das Doppelte, während die Forscher Aufmerksamkeit, Verarbeitungsgeschwindigkeit, exekutive Funktionen und das assoziative Gedächtnis mit standardisierten Tests prüften.
Im direkten Vergleich der beiden Ernährungsphasen lag die Konzentrationsleistung nach Tomatenmark um 7,2 Testpunkte höher und die Verarbeitungsgeschwindigkeit um 8,3 Punkte. Beim Zuordnen von Gesichtern und Namen erreichten die Teilnehmer im Mittel 0,8 Punkte mehr, wobei die Effekte auch nach der statistischen Korrektur für mehrere Tests innerhalb der jeweiligen Testverfahren bestanden.
Für exekutive Funktionen, darunter geistige Flexibilität und das Anpassen einer Strategie an neue Regeln, zeigte sich dagegen kein Vorteil. Die Konzentration des Proteins Brain-Derived Neurotrophic Factor (BDNF), das mit der Anpassungsfähigkeit von Nervenzellen zusammenhängt, stieg nur grenzwertig an und zeigte zudem einen Übertragungseffekt zwischen den Studienphasen, weshalb dieser Befund besonders vorsichtig zu bewerten ist.
Bei 14 Teilnehmern untersuchte das Team zusätzlich die funktionelle Vernetzung des Gehirns mit funktioneller Magnetresonanztomografie. Nach der Tomatenmark-Phase zeigten sich Veränderungen im frontoparietalen und auditorischen Netzwerk, während in der Kontrollphase Veränderungen im dorsalen Aufmerksamkeitsnetzwerk auftraten.
Diese Bildgebungsbefunde sind deutlich unsicherer als die Ergebnisse der kognitiven Tests, weil die ausgewerteten Unterschiede nur bei einer explorativen Schwelle ohne die strengere Korrektur für die vielen Bildpunkte sichtbar wurden. Wegen der kleinen Teilstichprobe liefern die Hirnscans daher eher Hinweise auf eine mögliche funktionelle Neuorganisation als einen robusten Nachweis eines Mechanismus.
Auch die übrigen Daten erlauben noch keine allgemeine Ernährungsempfehlung, denn die Studie war unverblindet und die Teilnehmer wussten, wann sie Tomatenmark aßen. Die Kontrollphase bestand zudem aus einer lycopinarmen Ernährung und nicht aus einem geschmacklich vergleichbaren Placebo, sodass Erwartungen oder die Einschränkung lycopinreicher Lebensmittel einen Teil der Unterschiede mitverursacht haben könnten.