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Mecklenburg-Vorpommern: Der Herausforderer gegen die "Frau gegen Blau"
Schafft die SPD mit Ministerpräsidentin Schwesig die Aufholjagd in Mecklenburg-Vorpommern und wird stärkste Kraft? Im Wahlkampf muss sie sich mit AfD-Mann Holm auseinandersetzen, der sie auch in ihrem Wahlkreis herausfordert.
Der Wahlkampf in Mecklenburg-Vorpommern ist stark polarisiert: Die AfD auf der einen Seite - alle übrigen Parteien auf der anderen. Ihre Zuspitzung erfährt die Polarisierung im Wahlkreis 8 (Schwerin I), dem "Wohnzimmer" von SPD-Spitzenkandidatin Manuela Schwesig. Dort fordert der AfD-"Ministerpräsidenten-Kandidat" Leif-Erik Holm sie heraus.
Holm ist Co-Vorsitzender der Landes-AfD, aber nicht ihr Spitzenkandidat. Diese Position auf Platz eins der Landesliste hatte sich Enrico Schult beim Nominierungsparteitag erkämpft. Schult stammt aus Deutschlands größtem Landkreis Mecklenburgische Seenplatte, ist neben Holm Co-Vorsitzender der Partei und seit dem Sommer zudem Chef der Landtagsfraktion. Eine Machtbündelung. Für Holm wurde das Etikett "Ministerpräsidenten-Kandidat" erfunden. Was als Arbeitsteilung verkauft wird, gilt eher als vermiedener Machtkampf an der Parteispitze.
Die Spitzenkandidierenden der reichweitenstärksten Parteien zur Landtagswahl Mecklenburg-Vorpommern im NDR MV Interview - inklusive Faktenchecks.
ndr
Aber die Arbeitsteilung ergibt auch Sinn: Denn direkte Konfrontationen scheinen ein Stilmittel des früheren Radiomoderators und Volkswirtes zu sein: So war der im Schweriner Umland aufgewachsene Holm bei den Bundestagswahlen 2017 und 2021 demonstrativ im vorpommerschen Wahlkreis von Angela Merkel angetreten. Immerhin Achtungserfolge konnte er verbuchen. Ebenso bei seiner Kandidatur für den Oberbürgermeister-Posten in der Landeshauptstadt Schwerin 2023. Da schaffte er es in die Stichwahl.
Nun also Holms Kampf ums Direktmandat für den Landtag - in direkter Konfrontation zur Amtsinhaberin Schwesig. Gewinnt er nicht gegen sie, bleibt ihm zumindest in dieser Legislatur sein Bundestagsmandat, denn einen Platz auf der Landesliste hat er nicht.
Was Außenstehenden aussichtslos scheinen mag, könnte zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen werden. Denn erstens war die Gesellschaft nie so polarisiert, zweitens verleiht die zurückliegende Sachsen-Anhalt-Wahl auch dem Urnengang in Mecklenburg-Vorpommern ein besonderes Momentum.
Und drittens ist die Stadtgesellschaft gespalten. So gilt die Altstadt als eher bürgerlich-mitte-links geprägt - schon wegen des vergleichsweise hohen Anteils von öffentlich bediensteten Bewohnern. Andererseits weist die kleinste Landeshauptstadt der Republik mit ihren rund 99.700 Einwohnern als spezifisches soziokulturelles Merkmal auf, dass laut Studie des Wissenschaftszentrums Berlin nirgendwo sonst in Deutschland die soziale Spaltung zwischen "Altstadt" und "Großwohnsiedlungen" im Süden und Südosten der Stadt so krass ausgeprägt wie in dieser Stadt.
Diese "Segregation" spiegelt sich auch im Wahlverhalten wider. Vor allem in den Großwohnsiedlungen wie Neu-Zippendorf oder Mueßer Holz, aber auch in eher bodenständig-handwerklich geprägten Eigenheimvierteln wie Görries hat die AfD seit Jahren ein stabiles Wählerklientel.
In der letzten ARD-Umfrage vor der Wahl im Nordosten liegt die AfD fünf Prozentpunkte vor der SPD.
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