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Gegen Normen verstoßen? Zwei Artikel von Max Planck nach 60 Jahren zurückgezogen
Wohl schon vor 20 Jahren wurden zwei Texte von Max Planck aus einer Zeitschrift zurückgezogen, in der sie vor 80 Jahren erschienen sind. Der Verlag schweigt.
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It was translated with technical assistance and editorially reviewed before publication.
Offenbar schon vor mehr als 20 Jahren wurden zwei wissenschaftliche Artikel des Physik-Nobelpreisträgers Max Planck aus dem Wissenschaftsmagazin „Die Naturwissenschaften“ zurückgezogen. Das geht aus einem Artikel hervor, den Yves Gingras und Mahdi Khelfaoui von zwei Universitäten in Quebec auf ArXiv veröffentlicht haben. Darin erklären sie, dass die Texte aus den Jahren 1940 und 1942 ungewöhnlich umfangreich entfernt wurden und womöglich seit 2005 nicht mehr aus „Die Naturwissenschaften“ beziehungsweise „The Science of Nature“ heruntergeladen werden können. So heißt die Fachzeitschrift seit 2015. Verantwortlich ist wohl die Anwendung heutiger Prinzipien auf historische Dokumente.
Bei den zurückgezogenen Artikeln handelt es sich um die Texte „Sinn und Grenzen der exakten Wissenschaft“ und „Naturwissenschaft und reale Außenwelt“. Beide können von der Originalquelle nur noch als weiße PDF-Dateien ohne Text heruntergeladen werden. Normalerweise blieben auch zurückgezogene Texte weiter einsehbar, lediglich ein Hinweis auf die „retraction“ wird deutlich sichtbar ergänzt. Jeweils findet sich ein Hinweis, dass die Artikel „wegen Artikelverletzung“ zurückgezogen worden seien, ohne dass es dazu eine Erklärung gibt. Die Artikel selbst finden sich derweil weiterhin beim Internet Archive.
Gegenüber Science hat die aktuelle Chefredakteurin von „The Science of Nature“ erklärt, dass sie von der Entfernung nichts gewusst habe und diese nicht verstehe: „Das ist verrückt“. Suzanne Scarlata wollte eigentlich einen Kommentar über die Entfernung verfassen, das habe der für die Fachzeitschrift zuständige Verlag Springer Nature aber verhindert.
Weil Springer Nature keine Erklärung für die Entfernung der Texte geliefert hat, haben die Historiker deren Entstehungsgeschichte recherchiert und Hypothesen zu den Hintergründen erarbeitet. Im Fall von „Sinn und Grenzen der exakten Wissenschaft“ schreiben sie, dass der Text in verschiedenen Publikationen erschienen ist. Das sei damals üblich gewesen, um ein großes Publikum zu erreichen. Bei der Digitalisierung des Texts könnte es als heute abgelehnte Praxis eingeordnet worden sein, weshalb der Artikel möglicherweise entfernt wurde. Beim zweiten handelt es sich um eine Antwort auf einen Text desselben Titels des Philosophen Aloys Müller. Auch das sei damals nicht problematisch gewesen.
Die Historiker kritisieren nun, dass bei der Digitalisierung der Texte heutige Normen auf Artikel angewandt wurden, die zu einer ganz anderen Zeit erschienen sind. Erst seit die Menge an veröffentlichten Artikeln als Gradmesser für die „Produktivität“ von Forschenden gilt, erscheine die wiederholte Veröffentlichung fast gleichlautender Artikel problematisch oder unethisch. Das habe zur Zeit der Veröffentlichung der beiden Texte nicht gegolten, weshalb keine Art der „retraction“ gerechtfertigt sei. Moderne Definitionen von „Urheberrecht“ und „duplizierte Publikation“ auf historische Quellen anzuwenden, sei höchst problematisch. Das Zurückziehen dürfe nicht akzeptiert werden, vor allem auch weil die Debatten, um die es in den Texten ging, weiter geführt wurden.
Max Planck gilt als einer der wichtigsten Forscher überhaupt und unter anderem als Begründer der Quantenphysik. Dafür wurde er nachträglich mit dem Nobelpreis für Physik des Jahres 1918 ausgezeichnet. Schon 1912 hatte er den Posten eines „beständigen Sekretars“ der Preußischen Akademie der Wissenschaften übernommen, auf dem holte er später unter anderem Albert Einstein nach Berlin. Später wurde er Präsident der Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaften, die zahlreiche führende Forschungsinstitute verantwortete. Ein Jahr nach seinem Tod wurde die Ein