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36 Grad: T. rex hatte eine Körpertemperatur wie ein Mensch
Dino-Fieberthermometer: Drei fossile Zähne zeigen, dass Tyrannosaurus rex eine Körpertemperatur von im Mittel 36,3 Grad Celsius hatte. Damit lag der Raubsaurier deutlich über zeitgleichen Krokodilen und ungefähr auf dem Niveau großer Säugetiere. Der Befund stützt die Annahme, dass T. rex seine Körperwärme weitgehend selbst erzeugte.
Los Angeles (U.S.A.). War Tyrannosaurus rex ein träger, von Sonne und Außentemperatur abhängiger Riese oder ein aktiver Räuber mit eigenem innerem Wärmeantrieb? Seit Jahrzehnten liefern Knochen, Wachstumsmuster und Verwandtschaftsbeziehungen Hinweise auf einen hohen Stoffwechsel. Ein direkter Zahlenwert für die Körpertemperatur des berühmten Theropoden fehlte jedoch.
Jetzt haben Forscher der University of California, Los Angeles (UCLA) um Robert Eagle die Temperatur erstmals unmittelbar aus dem Zahnschmelz von T. rex bestimmt. Ihr Ergebnis: 36,3 Grad Celsius im Mittel, mit einer statistischen Unsicherheit von 2,5 Grad. Damit lag der Dinosaurier ungefähr im Bereich heutiger großer Säugetiere und deutlich über den zeitgleich untersuchten Krokodilen.
Für die Messung nutzte das Team sogenannte verklumpte Isotope. Dabei geht es darum, wie häufig seltene Varianten von Kohlenstoff und Sauerstoff im Zahnschmelz direkt miteinander verbunden sind. Diese Häufigkeit hängt von der Temperatur ab, bei der der Schmelz im Körper gebildet wurde. Weil Zahnschmelz besonders widerstandsfähig ist, kann dieses Signal viele Millionen Jahre überdauern.
Untersucht wurden drei T.-rex-Zähne aus der rund 66 Millionen Jahre alten Hell-Creek-Formation in Montana. Zwei stammten von dem gut erhaltenen Museumsexemplar „Thomas“, ein weiterer von einem zweiten Tier aus derselben Gegend. Pro Zahn genügten etwa fünf Milligramm Schmelzpulver. Zum Vergleich analysierte das Team fünf ungefähr gleich alte Krokodilzähne aus derselben Formation.
„Eine solche Temperaturmessung war bisher niemandem möglich“, sagt Robert Eagle.
Die drei T.-rex-Zähne ergaben zusammen 36,3 Grad Celsius. Die Krokodilzähne lagen dagegen im Mittel bei rund 30,9 Grad. Dieser Unterschied spricht dagegen, dass beide Werte nur durch nachträgliche chemische Veränderungen der Fossilien entstanden sind. Zugleich zeigt er, dass T. rex deutlich wärmer war als ein wechselwarmes Tier aus derselben Umwelt.
Die Forscher kombinierten den gemessenen Temperaturwert anschließend mit Rekonstruktionen des damaligen Klimas. Daraus ergab sich, dass für T. rex weite Teile des nordamerikanischen Kontinents klimatisch erreichbar gewesen sein könnten, einschließlich kalter hoher Breiten. Das passt dazu, dass Tyrannosaurier auch aus nördlichen Regionen bekannt sind.
„Jetzt haben wir mit diesem geologischen Thermometer einen empirischen Beleg. Mithilfe von Paläoklimamodellen konnten wir für Nordamerika vor 66 Millionen Jahren ein Gebiet rekonstruieren, das von Mexiko bis Alaska reichte und darauf beruhte, wo T. rex mit einer Körpertemperatur von 97 Grad Fahrenheit überleben konnte“, erklärt Alessandro Chiarenza vom University College London (UCL).
Eine weitgehend von der Umwelt unabhängige Körpertemperatur hätte dem Räuber Vorteile gebracht. Ein höherer Stoffwechsel ermöglicht länger anhaltende Aktivität und erweitert den Bereich nutzbarer Klimazonen, kostet aber Energie. T. rex hätte dafür entsprechend mehr Nahrung aufnehmen müssen als ein gleich großes Tier mit niedrigem Stoffwechsel.