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Influenza: Nur wenige Eltern lassen Kinder mit Vorerkrankung gegen Grippe impfen
Der Grippeschutz unter Kindern und Jugendlichen mit Grunderkrankungen ist nach Einschätzung der Ständigen Impfkommission (Stiko) »deutlich zu niedrig«. Nur etwa jedes zehnte Kind mit einer Grunderkrankung erhielt in den vergangenen Jahren eine Schutzimpfung, wie das Robert Koch-Institut (RKI) und die Ständige Impfkommission (Stiko) erklärten.
Analysiert wurden Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen für die elf Grippesaisons zwischen 2014/2015 und 2024/2025. Von den schätzungsweise 1,2 Millionen Kindern und Jugendlichen mit einer Grunderkrankung, für die eine Grippeimpfung empfohlen wird, waren demnach in den jeweiligen Saisons 1,1 Millionen ohne Impfschutz.
Kinder und Jugendliche, die gesundheitlich durch bestimmte Grunderkrankungen gefährdet sind, sollen laut Empfehlungen der Stiko eigentlich gegen die Grippe geimpft werden. Die Stiko empfiehlt eindringlich, der bestehenden Empfehlung nachzukommen. Aktuell seien die Impfquoten mangelhaft, heißt es in einer Stellungnahme der Stiko .
Die Hauptursache für die niedrige Impfquote ist laut Robin Kobbe, Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin, »wahrscheinlich die nicht optimale Kommunikation bezüglich der Risiken einer Infektion mit Influenzaviren sowie mangelnde Aufklärung über den hohen protektiven Nutzen der jährlichen Impfung«. Kobbe ist zudem Clinical Scientist am Institut für Infektionsforschung und Impfstoffentwicklung des Universitätsklinikums Hamburg-Eppendorf.
Zudem helfe es laut Kobbe auch nicht, dass der Ruf der Influenzaimpfung – zu Unrecht – »nicht nur in Teilen der Bevölkerung, sondern auch unter Mitarbeitern des Gesundheitssystems in Bezug auf Nebenwirkungen und Wirksamkeit nicht gut ist«. Und weiter: »Vielleicht sind die Zahlen der komplizierten und tödlichen Krankheitsverläufe schwer in Relation zu den vielen weniger dramatisch kranken Kindern zu setzen – oder, sarkastisch gesagt, die Todeszahlen einfach nicht hoch genug, damit jede/r Kinderärzt:in dies einmal bei seinen eigenen Patient:innen miterlebt hat, um den Stellenwert der Influenzaimpfung zu erkennen.«
Die Stiko empfiehlt die Grippeschutzimpfung in erster Linie Menschen ab 60 Jahren, chronisch Kranken mit Grundleiden, Bewohnern von Alters- und Pflegeheimen, medizinischem Personal und Pflegekräften sowie Schwangeren ab dem zweiten Schwangerschaftsdrittel.
Auch für Kinder ab sechs Monaten und Jugendliche mit bestimmten Grunderkrankungen wie zum Beispiel Erkrankungen der Atmungsorgane, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Diabetes, Adipositas oder Immundefekten wird die jährliche Grippeschutzimpfung empfohlen. Sie sollte zwischen Oktober und Mitte Dezember erfolgen, bevor die Grippewelle beginnt.
Eine Schutzimpfung kann laut Stiko schwere Krankheitsverläufe verhindern, die zu Krankenhausbehandlungen, Komplikationen oder Todesfällen führen könnten. In den vergangenen Jahren entfielen demnach 30 Prozent aller Krankenhausbehandlungen aufgrund von Influenza auf Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren. Jene mit Grunderkrankungen hätten dabei ein deutlich erhöhtes Risiko.