// HEISE ONLINE — MOBILE & WEB
Plattformarbeit im Test: Kaum eine App bietet faire Bedingungen
Der Fairwork-Report 2026 stellt Lieferdiensten ein verheerendes Zeugnis aus. Vor allem das Ausweichen auf Subunternehmer schwächt Arbeitnehmerrechte zusätzlich.
Die Bequemlichkeit der modernen digitalen Welt ist für viele Menschen in Deutschland zur Selbstverständlichkeit geworden. Per App lässt sich das Abendessen bestellen, eine Fahrt buchen oder eine Reinigungskraft vermitteln. Doch hinter den glänzenden Oberflächen der Smartphone-Anwendungen verbirgt sich oft eine prekäre Realität.
Der jetzt veröffentlichte Fairwork-Report 2026 für Deutschland, den das Wissenschaftszentrum Berlin für Sozialforschung und das Oxford Internet Institute verfasst haben, zeichnet ein düsteres Bild der hiesigen Plattformökonomie. Im Fokus standen sieben große Anbieter, von denen die überwiegende Mehrheit bei der Einhaltung elementarer Arbeitsstandards durchfällt.
Das schlechte Ergebnis offenbart eine deutliche Kluft. Angesichts der zehn möglichen Punkte, mit denen die Forscher die Fairness in Kategorien wie Bezahlung, Verträge und Management bewerteten, konnte lediglich der Lebensmittellieferdienst Flink mit sieben Zählern überzeugen. Die Plattform Helpling schaffte gerade noch einen Punkt. Für die Branchenriesen Lieferando, Wolt, Bolt, Uber und Uber Eats endete die Analyse im Desaster: Sie gingen mit null Punkten aus der Bewertung hervor. Faire Beschäftigungsverhältnisse sind in der App-basierten Wirtschaft nach wie vor eine Ausnahme.
Besonders im Fokus der Untersuchung steht die fortschreitende Auslagerung von Tätigkeiten an Subunternehmen. Die Wissenschaftler sehen darin einen Trend, der die Rechte der Beschäftigten massiv schwächt. Bemerkenswert ist hier vor allem ein Kurswechsel bei Lieferando. Hatte der Marktführer im Bereich der Essenslieferungen im Vorjahr noch die höchste Bewertung erhalten, stürzte er nun auf null Punkte ab.
Der Grund liegt in der Umstellung des Geschäftsmodells hin zu einem hybriden System. Lieferando setzt neuerdings verstärkt auf externe Dienstleister, statt Kuriere direkt anzustellen. Die Firma folgt damit Konkurrenten wie Wolt oder Uber Eats.
Diese Entwicklung hat für die Betroffenen gravierende Konsequenzen, denn durch die oft undurchsichtigen Flottenstrukturen werden Verantwortlichkeiten gezielt verschleiert. Viele Fahrer sehen sich so mit niedrigen, unregelmäßigen Einkommen konfrontiert und haben oft nicht einmal direkten Zugang zu ihren Verträgen. Elementare Rechte wie Lohnfortzahlung im Krankheitsfall oder bezahlter Urlaub werden in diesen Ketten vielfach ausgehebelt. Ferner erfolgt die Kommunikation meist über unpersönliche Kanäle, was es den Beschäftigten nahezu unmöglich macht, effektiv gegen Managemententscheidungen oder willkürliche Kontosperrungen vorzugehen.
Dass es auch anders geht, beweist der neue Spitzenreiter Flink. Als einzige Plattform im Test setzt der Berliner Lieferdienst konsequent auf ein Direktanstellungsmodell. Flink konnte nachweisen, dass die Bruttovergütung nach Abzug aller Kosten dem seit 1. Januar 2026 geltenden gesetzlichen Mindestlohn von 13,90 Euro pro Stunde entspricht.
Zudem stellt die Firma kostenlose Sicherheitsausrüstung bereit und bietet transparente Verträge sowie strukturierte Prozesse für Beschwerden. Doch auch beim Testsieger ist nicht alles makellos: Einen existenzsichernden Lohn, der für Berlin auf 18,30 Euro beziffert wird, zahlt auch Flink nicht. Zudem fehlen echte, unabhängige, kollektive Mitspracherechte für die Belegschaft. Das Recht auf gewerkschaftliche Organisation wird branchenweit vernachlässigt: Kein Anbieter konnte hier punkten.
Wolt hat auf das Ranking reagiert und betont, dass die Bewertung kein vollständiges Bild der Arbeitsrealität in Deutschland widerspiegele. Da das Unternehmen nicht aktiv an der Erhebung teilnehme, berücksichtige die Methodik von Fairwork nur einen Teil des Geschäftsmodells. Der Anbieter moniert, dass die direkt beschäftigten Kuriere in Deutschland nicht in die Wertung einflössen und nicht ausreichend zwischen unterschiedlich