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Werbung statt Spielen: Microsoft-Patent stoppt PC- und Konsolenspiele für Reklame
Wer eine halbe Stunde gespielt hat, könnte künftig erst einmal Werbung schauen müssen, bevor es weitergeht. Eine Microsoft-Patentanmeldung beschreibt ein System, das PC- und Konsolenspiele an geeigneten Stellen unterbricht, Reklame zeigt und dafür werbefreie Spielzeit gutschreibt. Eine konkrete Einführung ist nicht angekündigt.
Die unter der Nummer US 2026/0260258 A1 veröffentlichte Patentanmeldung trägt den Titel „Contextually Aware Management of Interactive Software Application Access“. Dahinter verbirgt sich ein Modell, bei dem die Nutzung eines Spiels an sogenannte Credits geknüpft werden kann. Ist ein solcher Credit aufgebraucht, darf das Spiel die Interaktion unterbrechen, Werbung einblenden und anschließend einen neuen Credit vergeben.
Microsoft nennt dafür selbst konkrete Beispiele. Ein Credit könnte etwa 30 Minuten Spielzeit umfassen. Ebenso denkbar wären unterschiedliche Zeiträume je nach Spielmodus: Im Patent stehen beispielhaft 60 Minuten für einen Übungs- oder Tutorial-Modus, 30 Minuten für eine Einzelspieler-Kampagne und lediglich 20 Minuten für einen Online-Multiplayer-Modus. Auch Tageszeit und Wochentag könnten Einfluss darauf haben, wie viel Spielzeit ein Credit gewährt.
Ein simpler Timer soll Spielern die Reklame allerdings nicht mitten im Feuergefecht vor die Nase setzen. Stattdessen wertet das System den aktuellen Spielzustand aus und wartet auf einen möglichst passenden Moment. Genannt werden unter anderem Speicher-, Pausen- und Rundenendbildschirme. Weitere denkbare Auslöser sind abgeschlossene Aufgaben, Ladephasen oder andere Ereignisse, bei denen eine Unterbrechung weniger störend ausfallen soll. Genau dann kann der Zugriff auf das Spiel ausgesetzt und „promoted content“ in Form von Video, Audio oder Bildern abgespielt werden.
Der Hintergrund ist ausgerechnet die Spielerfahrung. Microsoft führt in der Patentschrift aus, dass starre Werbeunterbrechungen insbesondere bei Online-Spielen problematisch wären. Wer mitten in einer laufenden Partie plötzlich keine Eingaben mehr tätigen kann, könnte ein Match verlieren, die eigene Spielfigur sterben sehen oder den Kontakt zu Mitspielern verlieren. Die Werbung soll deshalb nicht sklavisch nach Ablauf eines Timers starten, sondern auf einen möglichst günstigen Moment warten.
Dazu kann das System gegen Ende der verbleibenden Spielzeit ein Werbefenster öffnen. Meldet das Spiel innerhalb dieses Zeitraums einen geeigneten Moment, wird die Interaktion unterbrochen und die Reklame abgespielt. Findet sich kein passender Zeitpunkt, kann die Werbung spätestens mit Ablauf des Credits folgen. Auch ein Countdown vor der Unterbrechung ist in der Patentanmeldung vorgesehen.
Wie lange anschließend Ruhe vor der nächsten Werbepause herrscht, muss ebenfalls nicht feststehen. Die gutgeschriebene Spielzeit kann laut Patent unter anderem davon abhängen, welche Werbung gezeigt wurde oder wie lange sie lief. Wer mehr oder längere Werbung sieht, könnte damit theoretisch auch mehr ununterbrochene Spielzeit erhalten.
So konkret das Modell beschrieben wird, so wenig sagt die Patentanmeldung über eine tatsächliche Einführung aus. Microsoft nennt weder ein bestimmtes Xbox-Spiel noch Windows, den Game Pass oder einen geplanten Starttermin. Auch eine veröffentlichte Patentanmeldung bedeutet grundsätzlich nicht, dass die beschriebene Technik tatsächlich in einem Produkt landen wird.
Damit steht zumindest fest: Mit der Frage, wie sich Werbung in interaktive Spiele einbauen lässt, ohne sie völlig wahllos zu unterbrechen, beschäftigt sich Microsoft offensichtlich schon länger. Ob Spieler irgendwann tatsächlich erst einen Werbespot über sich ergehen lassen müssen, bevor die nächste Runde beginnen darf, bleibt vorerst offen. Ganz neu ist das Grundprinzip allerdings ohnehin nicht: Vor allem aus dem Mobile-Gaming sind Werbeunterbrechungen, zusätzliche Spielzeit oder Belohnungen gegen das Ansehen von Reklame längst bekannt.