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Tim Schafer: Double-Fine-Gründer kritisiert Gier hinter den weltweiten Massenentlassungen
Der Branchenveteran findet klare Worte zur anhaltenden Krise der Spieleindustrie. Er sieht die Schuld für den ständigen Stellenabbau bei großen Publishern.
Double-Fine-Gründer Tim Schafer blickt angesichts der Massenentlassungen bei Xbox und den branchenweiten Studioschließungen verständnislos auf die Branche.
In den vergangenen Jahren wurden tausende Beschäftigte in zahlreichen Entwicklerstudios entlassen, wovon auch die Teams erfolgreicher Titel wie Battlefield 6 nicht verschont blieben.
Auch bei Xbox gibt es Umstrukturierungen, zuletzt in dieser Woche. Schon zuvor führten diese Maßnahmen dazu, dass sich Double Fine als eines von mehreren Studios von Xbox trennte und seine Unabhängigkeit zurückerlangte.
Der US-Amerikaner Tim Schafer gilt als Kultfigur der Spielebranche. Er begann seine Karriere bei LucasArts, wo er an Point-and-Click-Meilensteinen wie The Secret of Monkey Island, Day of the Tentacle und Grim Fandango maßgeblich beteiligt war.
"Um ehrlich zu sein, verstehe ich die Ökonomie hinter der Spieleentwicklung nicht mehr", erklärt Schafer in einem Video-Interview mit der BBC. "Jahrelang dachte ich, ich hätte das Prinzip kapiert. Es gibt Entlassungen, was schlimm ist, und dann merken die Verantwortlichen plötzlich: 'Oh, wir brauchen ja Leute, die Spiele machen!' Die Führungsetage denkt sich: 'Oh, wir haben alle gefeuert, wir brauchen wieder Entwickler für dieses Spiel', stellt sie wieder ein und das Ganze geht von vorne los."
"Ich bin daher immer davon ausgegangen, dass es ein ständiges Auf und Ab ist. Aber die Kurve zeigt jetzt seit vier Jahren nur nach unten, und ich weiß nicht, warum. Wirklich nicht. Die Leute spielen Videospiele und es wird Geld verdient. Warum es also diesen gewaltigen Stellenabbau gibt, verstehe ich nicht. Ich vermute einfach, dass an irgendeiner Stelle Gier im Spiel ist. Aber ich hoffe, dass es ein Zyklus ist und sich die Lage wieder erholt."
Unruhe herrscht ihm zufolge in der ganzen Branche, von Indie-Entwicklern bis hin zu AAA-Studios. Die Gründe dafür kann er nicht nachvollziehen.
"Ich finde, dass in der Videospielindustrie zurzeit unglaublich viel Leben, Begeisterung und Kreativität steckt, besonders im Indie-Bereich", ergänzt er. "Ich bin keiner dieser Snobs, die behaupten, nur Indie-Spiele seien kreativ. Ich finde, dass auch viele AAA-Titel fantastische, kreative Arbeit leisten."
"Es ist im AAA-Bereich nur einfach ein viel raueres Arbeitsumfeld geworden – deutlich stressiger, und die eigene Arbeit wird oft nicht belohnt. Sobald das Spiel fertig ist, wird man entlassen. Bei Indie-Spielen wird man zwar nicht zwingend gefeuert, steht aber nach dem Release womöglich ohne Geld da. Beide Bereiche bergen also ihre ganz eigenen Risiken."