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Thomas Jeffersons Haar hat eines der ältesten Rätsel der USA gelöst
DNA aus mehreren historischen Haarproben ermöglicht erstmals einen direkten genomischen Vergleich Thomas Jeffersons mit heutigen Nachfahren. Die noch nicht fachbegutachtete Analyse findet mehr gemeinsam vererbte DNA, als alternative Vaterschaftsszenarien erwarten lassen. Besonders stark fällt die statistische Unterstützung für Madison Hemings aus, während die Trennung zu Jeffersons Bruder bei Eston Hemings weniger eindeutig bleibt.
Washington (U.S.A.). Historiker sehen die Vaterschaft Thomas Jeffersons für die Kinder der von ihm versklavten Sally Hemings seit Jahren als sehr wahrscheinlich an. Eine DNA-Studie von 1998 hatte bereits gezeigt, dass ein männlicher Nachfahre von Hemings‘ Sohn Eston das Y-Chromosom der Jefferson-Linie trug. Weil damals jedoch keine DNA von Thomas Jefferson selbst vorlag, konnte der Test ihn genetisch nicht von nahen männlichen Verwandten unterscheiden.
Eine neue Genomanalyse greift genau diese verbliebene Lücke auf. Sie nutzt DNA aus mehreren historischen Haarproben, deren Herkunft sowie mitochondriale DNA und Y-Chromosomen-Marker für Thomas Jefferson sprechen. Aus den kombinierten Proben rekonstruierte das Team sein Kerngenom mit einer durchschnittlichen Abdeckung von knapp zweifach.
Forscher der University of California, Santa Cruz (UCSC) um Prof. Beth Shapiro haben dafür Verfahren zur Gewinnung stark degradierter DNA aus wurzellosen Haaren eingesetzt. Shapiro ist im Preprint als Corresponding Author ausgewiesen. Die Forscher verglichen Jeffersons Genom anschließend mit den Genomen bekannter Nachfahren aus seiner Ehe mit Martha Wayles Jefferson sowie mit Nachfahren von Sally Hemings‘ Söhnen Madison und Eston.
„Hallo Team TJ! Wir haben einen Treffer bei der mitochondrialen DNA!!!“, schrieb Prof. Beth Shapiro.
Dieser Treffer half dem Team, die geeignete historische Haarprobe abzusichern. Eine früh untersuchte Haarprobe aus Jeffersons Bibel hatte dagegen nicht zur mütterlichen Linie Jeffersons gepasst. Mit verbesserten Präparationsmethoden gewann das Labor später immer größere Teile des Genoms aus den geeigneten Haaren und konnte damit direkte Verwandtschaftsvergleiche durchführen.
„Das ist UNGLAUBLICH.“, schrieb Prof. Beth Shapiro, als ein verbesserter Ansatz fast ein Viertel des Genoms lieferte.
Als Kalibrierung dienten zwei bekannte Nachfahren Jeffersons und seiner Ehefrau Martha über deren Tochter Maria. Bei ihnen fand das Team 175 beziehungsweise 183 Centimorgan gemeinsam vererbte DNA mit Jefferson. Für einen Nachfahren fünften Grades wären im Mittel 213 Centimorgan oder 3,125 Prozent zu erwarten. Solche Werte schwanken jedoch durch die zufällige Verteilung elterlicher DNA über die Generationen.
Bei einem Nachfahren von Madison Hemings identifizierten die Forscher 341,7 Centimorgan Jefferson-DNA, entsprechend 5,1 Prozent. Der höchste Wert in der Eston-Linie lag bei 248,3 Centimorgan. Entscheidend ist dabei nicht allein, dass Hemings-Nachfahren DNA mit Jefferson teilen. Auch Nachfahren seines Bruders Randolph würden aufgrund der engen Verwandtschaft einen Teil derselben Abschnitte tragen.
Deshalb simulierte das Team drei Vaterschaftsszenarien mit Thomas Jefferson, seinem Bruder Randolph und einem Sohn Randolphs. Für Estons Linie waren die beobachteten DNA-Muster unter dem Thomas-Szenario je nach Schwellenwert etwa 5,2- bis 7,2-mal wahrscheinlicher als unter dem Randolph-Szenario. Bei Madisons Linie lagen diese Verhältnisse über 400. Unter gleich gewichteten Ausgangsannahmen ergaben sich für Madison mehr als 99,7 Prozent, für Eston dagegen etwa 82,6 bis 86,5 Prozent für Thomas Jefferson.