// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Warum die deutsche Offshore-Windenergiebranche in der Krise steckt
Bei Windenergie-Firmen wachsen die Sorgen. Projekte fehlen, chinesische Konkurrenten unterbieten die Preise. Droht das Schicksal der Solarenergie-Branche, indem Firmen schließen und die Produktion nach China geht?
Seit zwei Jahren sind keine neuen Projekte für Windparks in Nord- und Ostsee auf den Weg gebracht worden. Das bekommen auch die Hersteller von Komponenten zu spüren. "Der Offshore-Windenergie-Branche geht es zurzeit sehr schlecht", sagt Karina Würtz, Chefin der Stiftung Offshore-Windenergie. Wegen gestiegener Kosten und fehlender Projekte fehlten Aufträge im Wert von rund 40 Milliarden Euro für die kommenden Jahre.
Auch Robert Dreves, Geschäftsführer der EEW Special Pipe Constructions in Rostock, sieht schwierige Zeiten auf die Branche zukommen. EEW produziert dort sogenannte Monopiles - riesige Stahlfundamente für Offshore-Windräder. Die bis zu 70 Meter langen und bis zu 2.000 Tonnen schweren Stahlrohre werden mit Spezialschiffen aufs Meer gebracht und dort in den Meeresboden gerammt.
Exklusiv
22.09.2026
BP wollte zwei riesige Offshore-Windparks bauen - doch die Arbeiten an den Projekten sind offenbar seit Monaten eingestellt.
mehr
"Nach vielen Jahren des erfolgreichen Agierens der gesamten Branche sehen wir jetzt, dass in den nächsten Jahren weniger Bedarf im Markt ist", sagt Dreves. Dadurch drohten die Kapazitäten, die die Unternehmen in den vergangenen Jahren aufgebaut hätten, teilweise leer zu stehen. Besonders die Jahre 2027 und 2028 bereiten der Branche Sorgen. Gründe sind unter anderem fehlende Flächenausschreibungen sowie gestiegene Material-, Personal- und Finanzierungskosten.
Windparks auf See sind aufwendig und teuer. Vor dem Bau müssen Meeresboden, Windverhältnisse und Umwelt untersucht werden. Dazu kommen gigantische Fundamente, Türme und Turbinen sowie Unterseekabel, die den Strom an Land transportieren.
Sind die Anlagen erst einmal in Betrieb, können sie aber vergleichsweise günstig Strom produzieren. Die Stromerzeugungskosten von Offshore-Wind liegen derzeit bei etwa sechs bis zwölf Cent pro Kilowattstunde. Günstiger sind nur Windkraftanlagen an Land und Solarstrom.
Die Staaten des Nordseegipfels wollen beim Ausbau der Offshore-Windenergie künftig enger zusammenarbeiten.
mehr
Für die Energiewende ist Offshore-Wind dennoch besonders interessant: Auf dem Meer weht der Wind vergleichsweise zuverlässig - und gerade im Winter oft besonders kräftig. Das sei ein wichtiger Vorteil, sagt Würtz von der Stiftung Offshore-Windenergie: "Das macht sie am ehesten grundlastfähig im Vergleich zu anderen erneuerbaren Energieformen. Und sie kommt genau passend, wenn wir sie brauchen." Denn Wärmepumpen in Deutschland benötigten besonders im Winter viel Strom.