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Gesundheitsangaben können bei Lebensmitteln ein falsches Bild vermitteln
Aufdrucke wie „zuckerfrei“, „fettarm“ oder „natürlich“ können einzelne Vorteile eines Lebensmittels hervorheben, sagen aber nicht zuverlässig etwas über seine gesamte Ernährungsqualität aus. Eine Analyse von 145.609 neuen US-Produkten zeigt, dass solche Angaben oft mit besseren Werten einhergehen, in einigen Kategorien aber das Gegenteil gilt, während rund zwei Drittel der Produkte insgesamt als weniger gesund eingestuft wurden.
Ithaca (U.S.A.). Nährwert- und Gesundheitsangaben auf Verpackungen verdichten komplexe Informationen zu kurzen Botschaften, die beim Einkauf schnell ins Auge fallen. Das kann hilfreich sein, zugleich aber einen sogenannten Halo-Effekt fördern, bei dem ein positiv wahrgenommenes Merkmal leicht auf das gesamte Produkt übertragen wird, obwohl andere Nährwertmerkmale ungünstiger sein können.
Forscher der Cornell University um Pei Zhou haben nun untersucht, wie gut solche Angaben die gesamte Ernährungsqualität verpackter Lebensmittel und Getränke widerspiegeln. Dafür verglichen sie Produkte mit und ohne bestimmte Verpackungsangaben sowohl über den gesamten Markt als auch innerhalb einzelner Produktgruppen.
Die Analyse umfasst 145.609 verpackte Lebensmittel und Getränke, die zwischen 2015 und 2024 in den USA neu auf den Markt kamen. Die Daten stammen aus der Mintel Global New Products Database. Die Forscher bewerteten die Produkte mit dem britischen Nutrient Profiling Model, das ungünstige Komponenten wie Energie, gesättigte Fette, Gesamtzucker und Natrium gegen günstigere Komponenten wie Ballaststoffe, Eiweiß sowie Anteile von Obst, Gemüse und Nüssen verrechnet.
„Sie hatten das Fett reduziert, dafür aber mehr Gesamtzucker und mehr Natrium“, sagt Pei Zhou von der Cornell University.
Untersucht wurden vier Gruppen von Verpackungsangaben, darunter Hinweise auf weniger problematische Nährstoffe, Angaben zu zugesetzten oder erhöhten günstigen Nährstoffen, Aussagen wie „natürlich“ sowie funktionelle Versprechen zu möglichen körperlichen oder gesundheitlichen Vorteilen. Der verwendete Nährwertindex bewertet dagegen das Produkt als Ganzes, wobei höhere Werte für eine ungünstigere Zusammensetzung stehen.
Mehr als die Hälfte der neu eingeführten Produkte trug in jedem untersuchten Jahr mindestens eine der betrachteten Angaben. Der Anteil erreichte 2019 und 2020 mit 61,1 Prozent seinen Höchstwert und lag 2024 noch bei 54,5 Prozent, während das Modell über den gesamten Zeitraum rund zwei Drittel aller untersuchten Produkte als weniger gesund einstufte.
Bei Lebensmitteln waren die Gesamtwerte von Produkten mit einer Angabe auf Marktebene meist günstiger als bei Produkten ohne die jeweilige Angabe. Eine auffällige Ausnahme waren Hinweise auf wenig oder kein Transfett. Solche Produkte hatten im Vergleich teilweise mehr gesättigte Fette. Bei Getränken fanden die Forscher häufiger gegenläufige Muster. Angaben wie kalorienarm, zuckerfrei, natriumarm oder arm an gesättigten Fetten gingen dort auf Marktebene mit ungünstigeren Gesamtwerten einher.
Die Komponentenanalysen zeigen, wie solche Unterschiede entstehen können, denn Getränke mit Natrium-Hinweisen enthielten in mehreren Kategorien im Mittel mehr Gesamtzucker. Bei Lebensmitteln mit Transfett-Hinweisen waren je nach Produktgruppe höhere Werte für gesättigte Fette und Natrium beteiligt, während auch manche Angaben aus der Gruppe „natürlich“ innerhalb einzelner Kategorien nicht mit einem günstigeren Gesamtprofil verbunden waren.
Die Autoren nennen zwei mögliche Erklärungen, denn bei einer Rezepturänderung kann ein reduzierter Bestandteil durch andere ungünstige Komponenten ausgeglichen werden. Außerdem kann eine Verpackungsangabe gezielt eine vorteilhafte Eigenschaft hervorheben, während der Rest der Nährstoffzusammensetzung unsichtbar bleibt. Das bedeutet nicht, dass die jeweilige Angabe falsch oder rechtswidrig ist, da sie für das bezeichnete Merkmal korrekt sein und trotzdem nur einen Ausschnitt des Gesamtprofils zeigen kann.