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TelefonSeelsorge: „Wir wollten nicht einfach Microsoft ersetzen“
Die TelefonSeelsorge Deutschland hat ihre digitale Infrastruktur neu aufgebaut: Statt auf einen großen Cloud-Anbieter setzt sie auf Open-Source.
Als Microsoft im Sommer 2025 die kostenlosen Microsoft-365-Business-Premium- und Office-365-E1-Lizenzen für gemeinnützige Organisationen strich, mussten viele Vereine und NGOs umdenken. Die TelefonSeelsorge Deutschland e.V. hatte sich da bereits für einen anderen Weg entschieden: Statt auf einen großen Cloud-Anbieter setzt sie auf eine selbst entwickelte Open-Source-Plattform mit eigener Infrastruktur, um ihre interne Arbeit und die digitale Beratung langfristig besser kontrollieren zu können.
Warum sie das gemacht haben, erklären Lydia Seifert, geschäftsführende Referentin der Telefonseelsorge Deutschland, und Volkan Jacobsen, Mitgründer von Factorial (factorial.io), das die Plattform technisch umgesetzt hat.
Das Ende der Microsoft-Förderung hat viele gemeinnützige Organisationen in Zugzwang gebracht. Würden Sie heute sagen, dass Ihr früher Umstieg im Nachhinein ein Glücksfall war?
Lydia Seifert: Für unser Beratungssystem war Microsoft tatsächlich nie eine Alternative. Der eigentliche Auslöser war, dass unser bisheriges System auf Drupal 7 an seinem Lebensende angekommen war. Es gab keine Sicherheitsupdates mehr, keine Weiterentwicklung... wir mussten ohnehin handeln.
Natürlich haben wir uns verschiedene Möglichkeiten angeschaut. Uns war aber schnell klar, dass wir für die eigentliche Seelsorge eine Infrastruktur brauchen, bei der wir die Kontrolle über unsere Daten und unsere Infrastruktur behalten. Wir versprechen den Menschen, die sich an uns wenden, größtmögliche Anonymität. Dafür wollten wir keine Plattform einsetzen, bei der wir von einem US-Cloud-Anbieter abhängig sind.
Das Ende der Microsoft-Förderung betrifft uns heute eher bei den klassischen Verwaltungsprozessen. Dort nutzen wir teilweise noch Microsoft-Produkte, aber auch diese werden wir nach und nach ablösen.
Was hat sich durch die neue Plattform konkret verbessert?
Seifert: Heute arbeiten alle 103 TelefonSeelsorge-Stellen auf einer gemeinsamen Plattform. Vorher hatten viele Dienststellen über Jahre eigene Lösungen und Workarounds aufgebaut. Diesen Flickenteppich gibt es heute nicht mehr. Dienstplanung, Mail- und Chatberatung sowie Wissensmanagement laufen jetzt in einem System zusammen. Gleichzeitig konnten wir unsere Organisationsstruktur beibehalten. Jede Dienststelle arbeitet eigenständig, trotzdem lassen sich bundesweite Angebote wie Mail- oder Chatberatung zentral organisieren.
Microsoft wäre für uns nur ein Baustein gewesen. Viele andere Prozesse hätten wir trotzdem mit zusätzlichen Lösungen abbilden müssen. Das hätte unsere IT eher komplexer als einfacher gemacht.