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KI-Rechenzentren: Tech-Lobby drängt EU zur Aufweichung von Klimaregeln
Die EU-Kommission erwägt offenbar, geplante Klimaregeln für Rechenzentren deutlich zu lockern. Die Tech-Branche hatte auf weniger strenge Vorgaben gedrängt.
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Die EU-Kommission könnte ihre geplanten Nachhaltigkeitsregeln für KI-Rechenzentren stark aufweichen und Hyperscalern damit mehr Spielraum beim Ausgleich ihrer Emissionen geben, berichtet die Financial Times.
Im März sah ein erster Entwurf der EU-Kommission noch vor, dass Rechenzentren Grünstrom-Zertifikate nur dann voll anrechnen dürfen, wenn der Strom ungefähr zur gleichen Zeit und in derselben Strompreiszone erzeugt wurde wie ihr eigener Verbrauch und aus Anlagen stammt, die höchstens zehn Jahre alt sind. Damit sollte der Emissionsausgleich stärker an die tatsächliche Stromversorgung gekoppelt und der Bau neuer erneuerbarer Energien gefördert werden.
Einem von der Financial Times eingesehenen neuen Entwurf zufolge sollen diese Vorgaben nach Lobbyarbeit der Branche nun weitgehend entfallen. Zudem könnten künftig auch Zertifikate aus Kernenergie berücksichtigt werden, was insbesondere atomstromreichen Ländern wie Frankreich entgegenkäme.
Die Lockerung betrifft nicht nur eine technische Bilanzierungsregel, sondern auch die Aussagekraft des geplanten EU-Labels, weil Rechenzentren trotz fossiler Stromanteile ihre Emissionen künftig einfacher und kostengünstiger über Zertifikate ausgleichen könnten.
Der neue Entwurf soll am heutigen Donnerstag von Vertretern der EU-Kommission und Energieexperten beraten werden. Er ist nicht final und könnte sich im Anschluss noch ändern.
Der Kurswechsel zeigt den Konflikt, in dem die EU beim Ausbau von Rechenzentren steckt. Einerseits möchte sie ihre Klimaziele einhalten und den Energieverbrauch der Branche transparenter machen. Andererseits will sie den Ausbau von KI-Infrastruktur beschleunigen und wettbewerbsfähiger gegenüber den USA werden.
Laut Financial Times forderten unter anderem Amazon Web Services, Microsoft und der europäische Rechenzentrumsverband EUDCA die EU auf, mehrere Anforderungen zu streichen. Kritiker warnen indes vor den Folgen für das Energiesystem. Nach Einschätzung des Thinktanks EnergyTag könnten Rechenzentren ohne neue, lokale und zeitlich passende erneuerbare Energie die Nachfrage nach fossilem Gas erhöhen und damit Energiepreise sowie Versorgungssicherheit belasten.
Dass der Konflikt nicht nur theoretischer Natur ist, zeigen die jüngsten Nachhaltigkeitsberichte von Amazon und Google. Laut Bloomberg stiegen deren Treibhausgasemissionen 2025 deutlich an. Verantwortlich dafür ist vor allem der Ausbau von KI-Rechenzentren.