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GTA 6: Warum Rockstar bei der Satire ganz bewusst auf echte Politik verzichtet
Entwickler Rupert Humphries erklärt, warum aktuelle Weltgeschehnisse dem Open-World-Spiel schaden würden – stattdessen setzt das Team auf absurden Humor.
In einem neuen Interview hat Rockstar über seinen gefeierten Ansatz gesprochen, Satire in der Grand-Theft-Auto-Reihe zu verarbeiten. Dabei ging es vor allem um GTA 6 und die Frage, ob das Spiel reale Politik aufgreifen und durch den Kakao ziehen sollte.
Im Gespräch mit dem Pariser Modemagazin Love für eine große Story in Ausgabe 27 (von Usern abfotografiert und auf X geteilt) erklärte Rockstar, dass das Studio lieber eigene Welten und erfundene Ereignisse erschafft, statt sich an realen Geschehnissen zu bedienen. Das dient keineswegs nur der eigenen Absicherung. Vielmehr soll die eigene Welt dadurch noch absurder wirken – und verhindern, dass sich das Spiel zum Release bereits veraltet anfühlt.
In Grand Theft Auto 4 (2008) thematisierte Rockstar die Nachwehen des 11. September. Das Spiel fing die paranoide Stimmung im fiktiven Liberty City (angelehnt an New York) ein und persiflierte die extremen Sicherheitsgesetze jener Zeit bissig.
"Wenn man auf frühere GTA-Teile zurückblickt, lag der Fokus eigentlich nie wirklich auf der Landespolitik", erklärte Rupert Humphries, Senior Vice President of Narrative bei Rockstar. "Das Erstarken der Heimatschutzbehörde und der Patriot Act spielten in GTA 4 zwar eine zentrale Rolle. Das lag aber vor allem daran, dass New York nach den Anschlägen vom 11. September das Zentrum dieser Debatten war. Wir versuchen Spiele zu entwickeln, die sich perfekt an den Moment ihres Erscheinens anpassen, ohne dabei eins zu eins unsere Welt abzubilden. Deshalb halten wir uns bei konkreten Personen, Ereignissen oder Bewegungen bewusst bedeckt."
"Ein Spiel in Florida anzusiedeln, bietet extrem viel Material", ergänzte Humphries. "Wir haben wirklich versucht, unsere Welt tiefgehend auszubauen. Wir haben sie mit all den Charakteren und Kulturkämpfen gefüllt, die nötig sind, damit sie lebendig wirkt. Zudem bieten sich uns abseits direkter Begegnungen mit Figuren unzählige Möglichkeiten, diese Geschichten zu erzählen: Ihr könnt Wahlplakate sehen, Werbeanrufe einer Kampagne erhalten oder Radiowerbung hören. Außerdem gibt es im Radio fantastische politische Talkshows, in denen all diese Themen diskutiert werden."
"Red Dead Redemption 2 war im Wesentlichen eine historische Rekonstruktion – erstellt mit vielen der Werkzeuge, die wir auch für GTA 6 nutzen. Unser Fokus liegt aber nicht nur darauf, der Gesellschaft den Spiegel vorzuhalten. Wir wollen alles satirisch überspitzen, maßlos übertreiben und grotesk darstellen. Sonst könnte man ja einfach vor die Tür gehen und im echten Leben wohnen! Wir versuchen, den Kern jedes Themas zu erfassen. Dann blasen wir den Aspekt auf, den wir interessant finden – bis die Absurdität dieser Haltung völlig offensichtlich und hoffentlich auch witzig wird."
Ein weiterer wichtiger Faktor sei laut Humphries die Entwicklungszeit. Rockstar arbeite bereits seit etlichen Jahren an GTA 6. Daher müsse das Team das Spiel mit Geschichten und Ereignissen füllen, die sich auch zum Launch noch frisch und relevant anfühlen. "Wenn ein Trend für sechs Monate durch die Decke geht, muss man das richtig einordnen und darf nicht einfach auf den Zug aufspringen", erläuterte Humphries.
Würde Rockstar lediglich versuchen, unsere reale Welt nachzubauen – wie bei Red Dead Redemption 2, dessen historische Epoche längst vergangen ist –, reichte das schlicht nicht aus. Man würde nur die Welt vor dem eigenen Fenster kopieren. "Das ist nicht interessant", betonte Humphries. "Wenn man sich schon die ganze Mühe macht, eine Version der heutigen Welt zu erschaffen, muss sie völlig überdreht, verrückter und kompromissloser sein."
Ähnliche Worte fand Rockstar erst vor Kurzem gegenüber IGN in einem Interview zu GTA 6. Rob Nelson von Rockstar North versicherte damals, dass es "immer Dinge gibt, die man parodieren kann". "Solange Menschen Menschen sind, werden andere