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Frankfurter Buchmesse von Existenzangst und KI-Sorgen überschattet
Die Leselust sinkt, Läden schließen, die Politik macht Druck. Wird die Krise der deutschen Buchbranche existenziell? Das ist ein bestimmendes Thema, das den Start der 78. Frankfurter Buchmesse überschattet.
Für viele Offenbacherinnen und Offenbacher ist es der Abschluss ihres Wochenmarkt-Einkaufs auf dem Wilhelmsplatz: Im Buchladen am Markt können sie nach aktuellen Krimi-Bestsellern stöbern, finden die Bücher der Shortlist des Deutschen Buchpreises, aber auch queere oder feministische Literatur aus aller Welt - persönliche Beratung inklusive.
Doch damit ist bald Schluss: Zum Jahresende schließt der mehrfach preisgekrönte Buchladen. Zu hoch sind inzwischen die Kosten, wie die Betreiberin jüngst erklärte. Es soll an anderer Stelle weitergehen, mit deutlich verkleinertem Konzept. Daran wird auch eine von über 6.000 Menschen unterschriebene Online-Petition wenig ändern können.
Ob in Offenbach oder anderen deutschen Städten - überall stehen Buchläden vor dem Aus. Allein in den Jahren 2018 bis 2023 musste nach Angaben des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels jede vierte Buchhandlung schließen.
Die Verschiebung vom stationären in den Onlinehandel, explodierende Miet-, Material- und Personalkosten bei gleichzeitig sinkenden Buchverkäufen: Die Buchbranche steckt in einer tiefen Strukturkrise. Zusammen mit den aktuellen politischen Verschiebungen könnte sie nun existenziell werden. All das spiegelt sich - wie schon in den vergangenen Jahren - auch in diesen Tagen auf der Frankfurter Buchmesse (7. bis 11. Oktober) wider.
Dabei könnten die nackten Zahlen der vergangenen 30 Jahre Stabilität vortäuschen. Seit Ende der 1990er-Jahre verzeichnet der Buchmarkt konstant einen Umsatz von etwa neun Milliarden Euro. Umgerechnet 9,2 Milliarden waren es 1996 und 9,62 Milliarden Euro im vergangenen Jahr.
Doch bei genauerer Betrachtung offenbart sich, wie tiefgreifend der Strukturwandel der Branche ist: 2025 verlor der stationäre Buchhandel erneut 3,7 Prozent seines Umsatzes, auch wenn er weiterhin knapp 41 Prozent Marktanteil hält, wie der Börsenverein jüngst mitteilte.
Hinzu kommt, dass die Branche unter anderem aufgrund des demographischen Wandels und der Konkurrenz durch neue (Soziale) Medien kontinuierlich Stammkäuferinnen und -käufer verliert. So war der Aufschrei groß, als der Börsenverein Anfang Juli Zahlen zu Buchkäuferinnen und -käufern zwischen zehn und 15 Jahren veröffentlichte. Deren Käufe gingen allein im Jahr 2025 im Vergleich zum Vorjahr um 30,6 Prozent zurück, die Ausgaben in dieser Altersgruppe sanken um 23,8 Prozent.
Den Umsatz der vergangenen Jahre generierte die Branche vor allem durch Preissteigerungen. Nach eigenen Angaben waren diese aufgrund der Buchpreisbindung aber moderat. So kostet ein Hardcover-Bestseller heute durchschnittlich 25 Euro. Gleichzeitig stiegen die Kosten etwa für Papier.
Abgefedert wird die Negativentwicklung durch Genres wie New oder Young Adult - Segmente, die in den Sozialen Medien besprochen und beworben werden und inzwischen den Publikumsbereich der Frankfurter Buchmesse dominieren.