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Menschen mit psychopathischen Merkmalen zeigen andere Sprachmuster
Menschen mit stärker ausgeprägten psychopathischen Merkmalen verwenden in autobiografischen Erzählungen je nach Eigenschaft andere Wörter. Eine Studie mit 451 Teilnehmern zeigt, dass Enthemmung je nach Erzählkontext mit negativerem Ton zusammenhängt, Gefühlskälte dagegen unerwartet mit positiverem Ton und Leistungsbegriffen, während Kühnheit mit weniger Angstbegriffen und weniger Begriffen zu psychischen Erkrankungen verbunden ist.
Oxford (U.S.A.). Psychopathie wird heute zunehmend als Zusammenspiel unterschiedlich stark ausgeprägter Persönlichkeitsmerkmale betrachtet und nicht nur als ein einheitliches Etikett. Gerade deshalb ist die Sprache interessant, mit der Menschen ihre eigenen Erlebnisse beschreiben. Sie kann Hinweise auf emotionale und soziale Muster liefern, ohne daraus eine Diagnose zu erlauben.
Das triarchische Modell unterscheidet drei Dimensionen. Enthemmung steht unter anderem für geringe Impulskontrolle, Meanness für geringe Empathie, Aggressivität und geringe Bindungsorientierung, während Boldness soziale Dominanz, Furchtlosigkeit und Stressresistenz umfasst. Die neue Studie untersucht, ob sich diese Dimensionen in autobiografischen Erzählungen unterschiedlich niederschlagen.
Forscher der University of Mississippi (UM) haben dafür 307 Studierende und 144 Erwachsene untersucht, die frühere Inhaftierungen angegeben hatten. Die Teilnehmer verfassten Texte über einen persönlichen Höhepunkt, einen Tiefpunkt und einen Wendepunkt ihres Lebens. Außerdem beantworteten sie den Triarchic Psychopathy Measure, einen Fragebogen zu Boldness, Meanness und Disinhibition.
Die Texte wurden mit dem Verfahren Linguistic Inquiry and Word Count (LIWC) ausgewertet. Diese Software zählt Wörter aus psychologisch definierten Kategorien, etwa zu positiver und negativer Stimmung, Angst oder Leistung. Statistische Modelle prüften anschließend, wie die Wortmuster mit den drei Merkmalsdimensionen und dem jeweiligen Erzählkontext zusammenhingen und berücksichtigten dabei unter anderem Stichprobe, Geschlecht und Alter.
Ky Bray, Doktorand der Psychologie an der UM, warnt deshalb vor einer diagnostischen Lesart der Ergebnisse.
„Das Ziel ist hier nicht, Psychopathie anhand der Sprache zu diagnostizieren. Es geht darum, darauf hinzuweisen, dass sich Psychopathie in alltäglichen Verhaltensweisen zeigt, sogar in subtilen Verhaltensweisen wie Sprache. Wenn wir Psychopathie und die verschiedenen Merkmale verstehen wollen, aus denen sie besteht, müssen wir kreativ darüber nachdenken, wie diese Merkmale soziale Interaktionen prägen“, sagt Ky Bray.
Schon der Erzählkontext selbst veränderte die Wortwahl stark. Höhepunkte enthielten erwartungsgemäß mehr positive Sprache, Tiefpunkte mehr negative Sprache als Wendepunkte. Darüber hinaus zeigten die drei psychopathischen Merkmale unterschiedliche Zusammenhänge, wobei viele Effekte davon abhingen, welche Art von Lebensereignis die Teilnehmer beschrieben.
Enthemmung war der robusteste sprachliche Prädiktor. Höhere Werte gingen bei Höhepunkten und Wendepunkten mit einem negativeren emotionalen Ton einher, bei Tiefpunkten dagegen nicht. Auch der Zusammenhang mit Begriffen rund um Substanzen hing vom Erzählkontext ab. In der Gesamtschau fanden die Forscher zudem weniger positiven Ton und weniger Bezüge auf Leistung bei stärkerer Enthemmung.
Bei Meanness zeigte sich ein teilweise unerwartetes Muster. Höhere Werte waren mit mehr Wörtern für positiven Affekt und Leistung verbunden. Gerade in Wendepunkt-Erzählungen nutzten Personen mit höheren Meanness-Werten zugleich weniger Wörter mit negativem emotionalem Ton. Boldness wiederum ging über die verschiedenen Erzählungen hinweg mit weniger Angstbegriffen und weniger Verweisen auf psychische Erkrankungen einher.