// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Was die Metall-Tarifrunde so kompliziert macht
Heute beginnen die Verhandlungen über die Tarifbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie. Betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte. Antworten auf die wichtigsten Fragen zum Gesprächsstart.
IG Metall und Arbeitgeber verhandeln von heute an über die Tarifbedingungen in der Metall- und Elektroindustrie - all das angesichts internationaler Krisen und steigender Inflation. Betroffen sind rund 3,7 Millionen Beschäftigte in unterschiedlichen Branchen wie Automobil, Maschinenbau, Elektrotechnik oder Rüstungsgüter.
Nach einem aufwendigen Verfahren haben sich die regionalen Tarifkommissionen und der Bundesvorstand der IG Metall Ende September auf eine Forderung nach fünf Prozent mehr Geld bei einer Laufzeit von zwölf Monaten verständigt. Gleichzeitig müsse über die Absicherung von Arbeitsplätzen und Standorten verhandelt werden, sagt die Vorsitzende Christiane Benner angesichts drohender Werkschließungen.
Zudem will die Gewerkschaft in sogenannten "Boom-Unternehmen" die Beschäftigten am Gewinn beteiligen. Die IG Metall hob dabei hervor, dass der Auftragsbestand in zwei Dritteln der Unternehmen laut Erhebungen der Gewerkschaft "gut oder sehr gut" sei. Insbesondere bei Herstellern von Schiffen und Schienenfahrzeugen sowie in der Medizintechnik, in der Luft- und Raumfahrt und im Rüstungsbereich gebe es derzeit einen Boom, an dem auch Beschäftigte beteiligt werden müssten.
Bei der vorangegangenen Tarifrunde war die IG Metall mit einer Forderung nach sieben Prozent mehr Geld in die Verhandlungen gegangen. Erreicht wurde schließlich in zwei Stufen eine Steigerung um 5,1 Prozent - allerdings über einen Zeitraum von 25 Monaten.
In der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie fordert die IG Metall fünf Prozent mehr Geld.
mehr
Die Arbeitgeberverbände haben die Forderung bereits zurückgewiesen. Gesamtmetall sieht keinen Verteilungsspielraum und verweist auf die verschärfte Deindustrialisierung mit dem Verlust Hunderttausender Arbeitsplätze in den vergangenen Jahren. Die Arbeitgeber verweisen auf den Abbau von rund 350.000 Stellen seit 2019 und eine weiterhin rückläufige Produktion. Einer von mehreren Gründen für die schlechte Lage seien die hohen Lohnkosten.
Vielen Unternehmen gehe es schlecht, sagt der neue Gesamtmetall-Präsident Udo Dinglreiter und gibt die Linie vor: "Wir haben in der kommenden Tarifrunde nicht den Luxus, über die Verteilung von Zuwächsen zu verhandeln. Jetzt muss es darum gehen, Kosten zu senken und den Standort zu retten."
Noch weiter gehen Unternehmensvertreter etwa beim Auto-Schwergewicht Mercedes-Benz, die eine Rückkehr zu 40 Stunden Wochenarbeitszeit ohne Lohnausgleich verlangt haben. Die 35-Stunden-Woche steht im Vergütungs-Tarifvertrag aber nicht zur Diskussion.
Immer häufiger fordern Stimmen aus der Wirtschaft, dass wieder länger gearbeitet werden müsse.
mehr