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Ausgestorbene Krokodilart im Gestein der Großen Sphinx entdeckt
Ein fast vollständiger Krokodilschädel aus Ägypten lag fast ein Jahrhundert lang unter dem falschen Gattungsnamen in der Forschung. Neue CT-Aufnahmen und anatomische Vergleiche zeigen nun, dass die rund 45 Millionen Jahre alten Fossilien zu einer eigenen Gavial-Gattung gehören. Der Fund erweitert damit das Bild der einst vielfältigen Krokodilfauna des Mittelmeerraums.
Stockholm (Schweden). Heute leben nur noch zwei Gavial-Arten, beide in Süßwasserregionen Asiens. Fossilien zeigen jedoch, dass diese langschäuzigen Krokodilartigen früher deutlich weiter verbreitet waren und auch flache Meeresgebiete rund um den Mittelmeerraum besiedelten.
Zu diesem früheren Formenreichtum gehört ein Fund aus Ägypten, der bereits in den 1920er-Jahren geborgen wurde. Der fast vollständige Schädel stammt aus der rund 45 Millionen Jahre alten Mokattam-Formation, deren Kalksteine auch den Untergrund der Großen Sphinx von Gizeh bilden.
Die Fossilien waren 1927 als Tomistoma cairense beschrieben und damit der Gattung des heute lebenden Schein-Gavials zugeordnet worden. Ein internationales Team um den Erstautor Dr. Paul Burke vom Swedish Museum of Natural History hat den Schädel nun erneut untersucht und kommt zu einer anderen Einordnung.
Die Forscher vergleichen zahlreiche Merkmale der äußeren und inneren Schädelanatomie mit fossilen und heute lebenden Gavialen. Demnach gehört die Art nicht in die Gattung Tomistoma, sondern in eine eigene Gattung. Sie trägt nun den Namen Herugavialis cairensis.
Der Gattungsname nimmt Bezug auf Heru, eine altägyptische Gottheit, die auch als Horus bekannt ist. Die Verbindung zur Sphinx erhält noch eine zweite Ebene, denn dem nahezu vollständigen Fossilschädel fehlt die Spitze der Schnauze, ähnlich wie der Großen Sphinx die Nase.
Für die Neubewertung nutzte das Team unter anderem dreidimensionale Röntgenaufnahmen. Damit ließen sich auch Strukturen im Schädelinneren untersuchen, darunter Hohlräume des Gehirns und der Nasenregion, ohne das Fossil zu beschädigen.
Die Kombination aus diesen inneren Merkmalen, der äußeren Anatomie und einer stammesgeschichtlichen Analyse trennt Herugavialis von bekannten Schein-Gavialen und anderen untersuchten Gavialformen. Die Arbeit ordnet damit einen seit fast hundert Jahren bekannten Fund neu ein, statt eine zuvor unbekannte Fundstelle oder ein frisch ausgegrabenes Tier zu beschreiben.
Der Fund passt zu einem deutlich vielfältigeren Bild der Gaviale im Erdzeitalter des Eozäns. Damals lag Nordafrika am Tethysmeer, einem ausgedehnten warmen Meeresraum. In den flachen Küstengewässern des heutigen Ägypten lebten neben Herugavialis mindestens zwei weitere Gavialformen.
„Während eines Großteils der vergangenen 50 Millionen Jahre beherbergte der Mittelmeerraum eine große Vielfalt an Krokodilen, darunter Gaviale“, sagt Dr. Paul Burke.