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Umfrage unter VMware-Kunden: 90 Prozent suchen nach Alternativen
Die Preiserhöhungen bei VMware haben laut einer Umfrage viele Kunden weichgekocht – sie erwägen den Abschied von Broadcom und VMware.
Broadcoms Lizenzpolitik beim 2023 übernommenen Virtualisierungsspezialisten VMware sorgt nach wie vor für Unmut bei den eigenen Kunden, wie eine Umfrage des auf Fremdwartung spezialisierten Dienstleisters Rimini Street nahelegt. Demnach erwägen 90 Prozent der befragten IT-Entscheider, VMware und Broadcom wegen zu hoher Lizenzkosten den Rücken zu kehren.
Insbesondere der am 11. Oktober 2027 endende allgemeine Support (End of General Support) für die Virtualisierungskernlösung vSphere 8 trifft die Inhaber von Dauerlizenzen. Laut Rimini Street nannten rund 54 Prozent das Supportende als Grund ihrer Suche nach Alternativen. Wer auf vSphere 9 umsteigen will, muss entweder VMware vSphere Foundation (VVF) oder gleich den umfassenden Private-Cloud-Stack VMware Cloud Foundation (VCF) abonnieren.
Eine Migration auf VCF ist für viele aber nicht der bevorzugte Weg: Mit 48 Prozent plant fast die Hälfte der befragten Nutzer von VMware-Dauerlizenzen derzeit nicht, ihre VMware-Ressourcen auf ein solches Abo umzustellen. Rimini Street zufolge werden eher schrittweise alternative Hypervisor-Plattformen eingeführt. 60 Prozent der Befragten erwägen eine Mehrfach-Strategie, die sowohl VMware-ESXi-Hypervisoren als auch andere Virtualisierer einbezieht.
Generell sieht Rimini Street in den nächsten drei Jahren einen Trend zu hybrider Containerisierung und Umgebungen mit mehreren Hypervisoren. Für die befragten Entscheider gibt es dabei mehrere Gründe: 65 Prozent erklärten, dass sie eine Verbesserung der betrieblichen Effizienz anstreben, 53 Prozent wollen die Kosten für Cloud-native Anwendungen senken und 47 Prozent bevorzugen einen „Best-of-both-worlds“-Ansatz bei der Workload-Platzierung.
Letztlich ist der wichtigste Schwerpunkt bei der künftigen Virtualisierungsstrategie eindeutig: 73 Prozent der Befragten nannten die Minimierung der Kosten. Für die Virtualisierungsumfrage von Rimini Street befragte Unisphere Research den Angaben nach weltweit 269 Führungskräfte, Manager und Fachkräfte in VMware-Anwenderunternehmen. Die Studie kann nach Angabe von Kontaktdaten heruntergeladen werden.
Broadcom hat mit seinen Änderungen des Produktportfolios und teilweise drastisch teureren Lizenzen mit Bündelangeboten einige seiner Kunden verprellt. Unter anderem hat der EU-Cloudanbieterverband CISPE dem Unternehmen vergangenes Jahr vorgeworfen, mit seinen Umstellungen für Preissteigerungen von 800 bis 1500 Prozent bei den CISPE-Mitgliedsunternehmen gesorgt zu haben. Andere Nutzerumfragen geben zwar auch Preissteigerungen an, die aber weniger drastisch ausfallen: In einer Erhebung von Anfang 2026 verzeichnete die Mehrheit Aufschläge von 25 bis 49 Prozent.
Bereits im Mai 2025 hatte der deutsche IT-Anwenderverband Voice e.V. eine Wettbewerbsbeschwerde gegen Broadcom bei der EU eingereicht, im März hat sich CISPE mit einer eigenen Beschwerde angeschlossen. Auch mit Großkunden wie T-Mobile oder der britischen Supermarktkette Tesco laufen Rechtsstreite (T-Mobile: Az. 654741/2025, Tesco: Az. CP-2025-000006).
Eine Massenflucht der Kunden ist bislang aber ausgeblieben. Eine andere Entscheider-Befragung vom Anfang des Jahres deutet jedoch darauf hin, dass viele den VMware-Einsatz aktiv reduzieren. Konkret hatten nur 4 Prozent ihre VMware-Infrastruktur vollständig abgelöst, aber 86 Prozent ihren VMware-Einsatz reduziert. Gründe wie hohe Komplexität, Kosten und Unsicherheit einer Migration hielten aber viele der Befragten noch vom Wechsel ab.
Marktbeobachter wie Gartner schätzen, dass VMwares Kundenbasis schrumpfen wird. Sie erwarten einen Rückgang des VMware-Marktanteils von rund 70 Prozent im Jahr 2024 auf etwa 40 Prozent im Jahr 2029. Ob Broadcoms noch arg detailarme Ankündigung vom September, eine neue Version von vSphere Standard zu bringen, dabei eine Kehrtwende bedeutet – das bleibt abzuwarten.