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Apothekenvertreterin: „TI im Guten wie im Bösen im Versorgungsalltag angekommen“
Die Vize-Hauptgeschäftsführerin der ABDA, Claudia Korf, fordert vor allem mehr Stabilität beim E-Rezept und einen reibungslosen Übergang zur TI 2.0.
Florian Hartge (aus der Gematik-Geschäftsführung), Claudia Korf (stellvertretende Hauptgeschäftsführerin des ABDA), Martin Krasny (aus dem Vorstand des GKV-Spitzenverbands) und Simeon Atkinson (Moderation).
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Wer mit einem E-Rezept in die Apotheke kommt, möchte sein Medikament bekommen. Dafür müssen jedoch mehrere digitale Systeme zusammenspielen. Hakt es in der Arztpraxis, beim zentralen Rezeptdienst oder in der Apotheke, lässt sich das Rezept womöglich nicht einlösen. Claudia Korf, die stellvertretende Hauptgeschäftsführerin der ABDA, hofft daher, wie sie auf dem TI-Summit sagte, auf eine bessere Versorgung mit dem Umbau zur Telematikinfrastruktur 2.0 (TI 2.0), die auf einer Open-Source-Plattform basieren soll.
„Die TI an sich ist jetzt im Versorgungsalltag angekommen, aber im Guten wie im Bösen“, sagte Korf. Digitale Anwendungen seien längst Teil der täglichen Arbeit. Umso schwerer wiege es, wenn sie ausfallen. Apotheken stünden am Ende der Versorgungskette und bekämen Probleme zu spüren, egal wo sie entstanden seien. Vor allem für Patientinnen und Patienten sei es wichtig, dass das E-Rezept zuverlässig funktioniert, schließlich hängt davon ab, ob sie ihr Medikament rechtzeitig erhalten. Betriebsstabilität ist für Korf deshalb keine abstrakte technische Größe, sondern eine Voraussetzung für die Versorgung.
Auch Martin Krasney, Vorstandsmitglied des GKV-Spitzenverbands, sieht die gewachsene Komplexität der TI als zentrales Problem. Für die Kostenträger sei vor allem entscheidend, dass die Anwendungen akzeptiert und genutzt werden. Dafür brauche es Stabilität.
Die Gematik will die TI deshalb grundlegend umbauen. Statt einzelne Anwendungen mit jeweils eigenen technischen Strukturen weiterzuentwickeln, sollen Dienste künftig auf einer gemeinsamen, souveränen und cloudbasierten Open-Source-Plattform aufbauen. Gematik-Geschäftsführer Florian Hartge beschrieb zwei Ursachen für die heutigen Probleme: Technisch sei die TI immer größer und vernetzter geworden, bis die voneinander abhängigen Teile kaum noch zu kontrollieren seien. „Wenn eines ausfällt, fällt die ganze Kette aus“, sagte Hartge. Hinzu komme eine organisatorische Komplexität: Es werde immer aufwendiger, Stabilität und Ordnung in diesem Geflecht aufrechtzuerhalten.
Die Plattform soll an beiden Stellen ansetzen. Technisch will die Gematik setzen, „so wie das andere Gesundheitssysteme auch tun“. Organisatorisch soll die Beauftragung zentraler Systeme über Ausschreibungen eine bessere Steuerung und Koordination ermöglichen.
Dabei müsse Deutschland das Rad nicht neu erfinden, betonte Hartge. Die Gematik habe sich angesehen, was in anderen Ländern funktioniert, etwa in Skandinavien. Dabei verwies er auch auf den britischen NHS, der vor einigen Jahren einen sehr ähnlichen Prozess durchlaufen und damit deutlich positive Ergebnisse erzielt habe. Von dort lasse sich etwa lernen, wie Schnittstellen gestaltet sein müssen, damit Praxis-, Krankenhaus- und Pflegesoftware sowie Apps Lösungen schneller und einfacher bereitstellen können. Zugleich solle beim Umbau nicht zu viel umgestoßen werden: Was heute funktioniere, solle weiter genutzt werden.
Dass die Gesellschafter der Gematik den Plattformkurs gemeinsam unterstützen, wertete Korf als starkes Signal. Selbstverständlich sei diese Einigkeit nicht: Krankenkassen, Ärzte, Zahnärzte, Krankenhäuser und Apotheken hätten nicht immer dieselbe Sicht auf die Dinge. Die Zusammenarbeit bei der Plattformentscheidung sei jedoch sehr konstruktiv gewesen, die Beteiligten seien früh eingebunden worden. Man habe intensiv über Chancen und Risiken gesprochen und nicht einfach beschlossen, ein zentrales Modell sei die einzige Rettung.