// EUROGAMER.DE — GAMING
Aus der Internationalen Computerspielesammlung: Ein kulturelles Armutszeugnis der Politik
Die aktuelle Bundesregierung streicht dem "weltweit einmaligen" Archiv die Anschlussfinanzierung. Ein fatales Signal für unser digitales Erbe.
Die 2017 initiierte ICS ist das weltweit größte physische Archiv für digitale Spiele. Sie bündelt über 60.000 Titel aus den Beständen des Computerspielemuseums Berlin, der USK und der Universität Leipzig, um sie für Forschung und Nachwelt zu sichern.
Das war es dann auch schon wieder für die Internationale Computerspielesammlung. Nachdem insgesamt 1,5 Millionen Euro an Fördergeldern in die Etablierung des über 60.000 physische Exponate umfassenden Archivs geflossen sind, war sie der Bundesregierung 2026 keine Anschlussfinanzierung wert.
Das ist nicht nur im Licht aktueller Entwicklungen wahnsinnig bedauerlich – und das Universum beweist mit diesem Timing mal wieder einen ätzenden Sinn für Humor – es legt auch schamlos die opportune Doppelmoral der Politik offen. Fast 20 Jahre lang gelten Videospiele in Deutschland auch hochoffiziell als Kulturgut und stehen rechtlich damit auf einer Stufe mit Literatur, Theater, Film und Musik. Davon ist in der Realität jedoch wenig zu spüren.
Während klassische Kulturgüter auf institutionell verankerte Unterstützung bauen und sich – nicht zu Unrecht – dauerhafter Milliardenförderungen sicher sein können, waren die 1,5 Millionen auf beinahe eine Dekade für das "weltweit einmalige Aushängeschild" (O-Ton Dorothee Bär) offenbar eine Zumutung.
Die kulturpolitische Verantwortung und Mittelvergabe für Archive wie die ICS obliegt der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien. Unter der aktuellen Regierungskoalition fiel die Anschlussfinanzierung strikten Haushaltskonsolidierungen zum Opfer.
Schaut man sich die Fördersituation bei den hiesigen Spieleentwicklern an, sieht es besser aus - obwohl auch dieser Topf allein von der Stiftung Oper in Berlin mit ihren gut 160 Millionen Euro jährlich deutlich in den Schatten gestellt wird. Doch dieses Fass machen wir ein anderes Mal auf. Offensichtlich ist jedenfalls: Videospiele werden immer noch in erster Linie als Wirtschaftszweig gesehen und nur zweitrangig als Kulturbeitrag und das ist das Problem.
Nichts macht das deutlicher als ein Blick auf die Größenordnungen, die der restliche Kulturbetrieb allein für den Erhalt bekommt.
Die Deutsche Nationalbibliothek sichert, gesetzlich beauftragt, für über 60 Millionen Euro pro Jahr jedwede in Deutschland veröffentlichte Literatur, Zeitschrift und Musikalie. Deutlich zweistellige Millionenbeträge erhalten auch Institutionen wie das Deutsche Filminstitut oder die Murnau-Stiftung, wo man alte Zelluloidfilme für die Nachwelt frischhält.
Öffentlich getragene Museen und Kunsthallen feiern das kreative Schaffen der Menschheit und kosten den Steuerzahler zwischen zwei und drei Milliarden im Jahr, während das Computerspielemuseum Berlin eine rein privat finanzierte Angelegenheit ist. Und dann haben wir von der Restaurierung von Kunstwerken oder unter Denkmalschutz stehenden Gebäuden noch gar nicht angefangen.