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Kleiner Tiefseefisch verschlingt vor laufender Kamera riesige Beute
Seltene Tiefseeaufnahme: Vor Trinidad und Tobago haben Forscher in 1.259 Metern Tiefe einen Schlinger mit einem ungewöhnlich aufgeblähten Magen gefilmt. Der kleine Raubfisch kann Beutetiere verschlingen, die deutlich größer sind als er selbst. Die Bilder dokumentieren diese Anpassung im natürlichen Lebensraum, verraten aber nicht, welches Tier er gefressen hat.
Port of Spain (Trinidad und Tobago). In der Tiefsee ist eine große Mahlzeit zugleich eine Chance und eine Herausforderung. Denn Beute ist nicht immer leicht zu finden, und der nächste Fang lässt möglicherweise lange auf sich warten. Einige dort lebende Raubfische können deshalb ungewöhnlich große Nahrungspakete im Ganzen verschlingen.
Zu ihnen gehören die Schwarzen Schlinger der Gattung Chiasmodon. Ihre Mäuler öffnen sich besonders weit, und ihr Magen lässt sich wie ein Ballon ausdehnen. Wie extrem diese Anpassung wirkt, war bisher vor allem von toten Exemplaren bekannt, die an der Meeresoberfläche gefunden wurden.
Jetzt hat der ferngesteuerte Tauchroboter SuBastian während der Expedition „Deep Wonders of Trinidad and Tobago“ einen lebenden Schlinger in seinem natürlichen Lebensraum aufgenommen. Das Tier bewegte sich in rund 1.259 Metern Tiefe, während unter seinem schlanken Körper ein auffällig großer Bauch hing. Die Bauchhaut war so weit gespannt, dass innere Strukturen durchschimmerten.
Das Team um die Meeresbiologin Dr. Diva Amon von SpeSeas dokumentierte den Fund im Juli 2026. Die offizielle Bildmeldung bezeichnet den Fisch vorsichtig als Chiasmodon sp., bestimmt ihn also nur bis zur Gattung. Einige Medien ordnen das Tier der Art Chiasmodon niger zu. Eine eindeutige Artbestimmung allein aus der veröffentlichten Aufnahme ist jedoch nicht belegt.
Die Kamera hielt zudem nicht fest, wie der Fisch seine Beute fing oder verschlang. Sie zeigt lediglich den bereits stark gefüllten Magen. Welches Tier darin steckt und wie groß es tatsächlich war, können die Wissenschaftler aus den Aufnahmen nicht feststellen.
„Wenn wir doch einen Computertomografen an Bord hätten! Was dieser kleine Kerl gefressen hat, bleibt womöglich für immer ein Rätsel“, sagt Dr. Diva Amon.
Der Schlinger besitzt einen langen Unterkiefer und nach hinten gebogene Zähne. So kann er große Beutetiere festhalten und im Ganzen hinunterschlucken. Bei Chiasmodon niger sind nach Angaben der Woods Hole Oceanographic Institution (WHOI) selbst Mahlzeiten möglich, die ein Vielfaches der eigenen Masse erreichen. Anschließend bietet der dehnbare Magen ungewöhnlich viel Platz.
Diese Strategie hat allerdings Grenzen. Wird ein besonders großes Beutetier nicht schnell genug verdaut, können beim Zerfall Gase entstehen. Sie lassen den Magen zusätzlich anschwellen und können einen solchen Tiefseefisch bis an die Oberfläche treiben. Der jetzt gefilmte Schlinger schwamm dagegen noch in seinem ursprünglichen Lebensraum.
Was Schwarze Schlinger normalerweise fressen, ist ebenfalls erst teilweise erforscht. Für eine 2024 abgeschlossene Untersuchung wurden 337 Fische der Gattung Chiasmodon aus dem Golf von Mexiko untersucht. Nur bei 138 Exemplaren fanden sich Beutereste im Magen. Die Auswertung zeigte eine ausgeprägte Bevorzugung von Kopffüßern, erfasste aber mehrere Schlingerarten in einer anderen Meeresregion.