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Schatten-KI in der Personalabteilung: Wie KI heimlich Bewerbungen aussortiert
Personaler werden von einer Menge von KI-generierten Bewerbungen überrumpelt. Im Alltag greifen sie dabei oftmals auf unerlaubte KI-Tools zur Bewertung zurück.
Seit dem Aufkommen von KI-Tools wie ChatGPT klagen Personaler in weiten Teilen Deutschlands über ein enormes Problem. Da sich die Lebensläufe und Anschreiben mit wenigen Prompts generieren lassen, steigt auch die Anzahl der Bewerbungen insgesamt rapide an. Die KI-generierten Bewerbungen sind dabei nicht zwangsläufig schlechter, doch sie sorgen dafür, dass aufgrund der schieren Masse weniger Zeit für die Bewertung einzelner Anschreiben bleibt.
Das zeigt jetzt auch eine Umfrage der Jobplattform Indeed. Sie haben 300 Personalverantwortliche in Deutschland zur Belastung durch KI-generierte Bewerbungen und ihren Umgang damit befragt. Zunächst bestätigten 56 Prozent der Befragten, dass sie mittlerweile deutlich mehr Bewerbungen für einzelne Stellen erhalten als es noch vor zwölf Monaten der Fall war. 43 Prozent sagten, dass sie für jede Stelle mehr als 50 Bewerbungen erhalten. 33 Prozent davon wurden ihrer Schätzung nach mit KI generiert.
Daraus ergeben sich auch direkte Folgen. Anschreiben haben für mehr als die Hälfte der Personaler (54 Prozent) kaum noch eine Bewandtnis. Ähnlich ist es auch bei einem ausformulierten Lebenslauf (46 Prozent) sowie Testaufgaben, die zu Hause erledigt werden (33 Prozent), und schriftlichen Antworten, die im Bewerbungsformular eingetragen werden müssen (43 Prozent).
Der enorme Anstieg der Bewerbungen führt dazu, dass 35 Prozent der Personaler nur noch höchstens eine Minute Zeit haben, um eine Bewerbung zu sichten. 42 Prozent der Befragten setzen dabei auf vom Unternehmen erlaubte Software oder KI, um eine Vorauswahl zu treffen. 28 hingegen sagen, dass es in ihrem Unternehmen keine Lösung für die unterstützte Vorauswahl gibt. Deshalb greifen sie, auch wenn es nicht erlaubt ist, auf frei verfügbare Tools wie ChatGPT zurück. Das passiert besonders häufig in Unternehmen mit 250 bis 500 Beschäftigten.
Elf Prozent geben sogar zu, dass von KI aussortierte Bewerbungen nicht mehr von einem Menschen gesichtet werden, was durch die Datenschutzgrundverordnung (DSGVO) verboten ist. Der AI‑Act soll die Gesetzeslage noch etwas verschärfen. Ab dem 2. Dezember 2027 sind Unternehmen verpflichtet, KI‑gestützte Bewerbungen zu dokumentieren und eine abschließende, menschliche Kontrolle zu gewährleisten. Nur etwa ein Drittel der Befragten (39 Prozent) gibt an, dass sie die Vorgaben der DSGVO und des AI-Acts im Alltag bei Bewerbungen auch wirklich umsetzen können.
Tim Verhoeven, Senior Talent Strategy Advisor bei Indeed, sagt dazu: „Unternehmen müssen sicherstellen, dass sie ihre Teams nicht mit der Bewerbungsflut allein lassen. Ein klarer Prozess, in dem KI strukturiert und vorsortiert und der Mensch entscheidet, sollte daher zur Grundausstattung für Personalabteilungen gehören. Dafür müssen Arbeitgeber ihre Recruiter mit den entsprechenden Tools ausstatten. Sonst werden Schatten-Systeme aufgebaut.“
Die Personaler selbst fordern ebenfalls rechtlich abgesicherte KI-Tools, mit denen sie Bewerbungen vorsortieren können. Dazu kommen praxistauglichere Gesetzesvorgaben (bei 41 Prozent der Befragten) sowie kürzere Bewerbungsformate, die ohne Anschreiben auskommen (46 Prozent). Zu guter Letzt wünschen sich 37 Prozent der Personaler, dass eine Kennzeichnungspflicht für KI-generierte Bewerbungen eingeführt wird.
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