// TAGESSCHAU WIRTSCHAFT — FINANZA
Appell an Industriestaaten: IWF warnt vor steigenden Staatsschulden
Der Internationale Währungsfonds fordert Industrieländer auf, ihre Haushaltsdefizite zu verringern und Schulden abzubauen. Steigende Zinsen und hohe Ausgaben schränkten den finanziellen Spielraum der Staaten zunehmend ein.
Angesichts wachsender Schulden und steigender Finanzierungskosten sieht der Internationale Währungsfonds (IWF) dringenden Handlungsbedarf bei den Industrieländern. Bei seiner Herbsttagung in Bangkok appellierte der Fonds heute an die politisch Verantwortlichen, die Regierungen müssten ihre Ausgaben anpassen und ihre finanzielle Belastung langfristig reduzieren. Je länger sie damit warteten, desto schwieriger würden die notwendigen Korrekturen.
Analyse
14.10.2026
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Besonders angespannt ist die Lage in den USA. Die Staatsverschuldung hat in diesem Jahr die Marke von 40 Billionen Dollar überschritten. Eine Trendwende ist nach den Prognosen des IWF nicht in Sicht. Bis 2030 könnte der Schuldenstand auf mehr als 52 Billionen Dollar steigen.
IWF-Chefin Kristalina Georgiewa zufolge können die USA ihr Schuldenproblem nicht allein durch Wirtschaftswachstum lösen. Um die Verschuldung auf einen nachhaltigeren Pfad zu bringen, seien weitere Anpassungen notwendig. US-Finanzminister Scott Bessent erkenne an, dass sowohl das Haushaltsdefizit als auch die Gesamtverschuldung zu hoch seien, sagte Georgiewa. Wachstum helfe zwar, reiche aber nicht aus.
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Der IWF-Experte Rodrigo Valdes verwies auf veränderte wirtschaftliche Rahmenbedingungen. Angesichts der anhaltenden Inflation und steigender Renditen für Staatsanleihen sei es dringend nötig, die Haushalte in Ordnung zu bringen. Höhere Renditen verteuern es für die Staaten, neue Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen.
Zugleich wächst der finanzielle Druck auch in anderen Ländern. Nach Angaben des IWF steuert die durchschnittliche Staatsverschuldung weltweit auf 100 Prozent der Wirtschaftsleistung zu. Damit würde sie den höchsten Stand seit dem Zweiten Weltkrieg erreichen. Der finanzielle Spielraum vieler Regierungen werde dadurch kleiner.
Hohe Ölpreise, eine hartnäckige Inflation und ein stärker als erwartet ausgefallener Investitionsbedarf im Bereich Künstliche Intelligenz (KI) hätten in den vergangenen Monaten zu einem deutlichen Anstieg der langfristigen Anleiherenditen beigetragen. Die durchschnittliche Rendite zehnjähriger Staatsanleihen der G7-Staaten sei zwischen Februar und September um mehr als 110 Basispunkte gestiegen und habe damit den höchsten Stand seit fast zwei Jahrzehnten erreicht.