// LINUXNEWS.DE — LINUX & OPEN SOURCE
Raspberry Pi Desktop für x86 nach vier Jahren aktualisiert
Nach rund vier Jahren ohne neue Hauptversion hat Raspberry Pi seine Linux-Distribution für klassische PCs und Intel-basierte Macs aktualisiert. Das neue Raspberry Pi Desktop basiert auf Debian 13 »Trixie« und bringt zahlreiche Neuerungen mit, die Nutzer der ARM-basierten Raspberry-Pi-Rechner bereits kennen. Diese Variante ermöglicht es seit 2016, die sparsame Desktop-Oberfläche des Raspberry Pi auch auf gewöhnlichen PCs und älteren Macs einzusetzen.
Die letzte größere Aktualisierung der PC-Version erschien 2022 und basierte auf Debian 11 »Bullseye«. Während das Raspberry Pi OS für ARM-Rechner 2023 auf Debian 12 und 2025 auf Debian 13 umgestellt wurde, blieb die x86-Variante auf dem alten Stand. Als Grund nennt Raspberry Pi fehlende Entwicklerkapazitäten. Die Arbeit an der PC-Version habe gegenüber der Weiterentwicklung des Betriebssystems für die eigene Hardware zurückstehen müssen.
Gleichzeitig mit der Umstellung auf Debian 13 vollzieht die Distribution einen Architekturwechsel: Statt wie bisher auf 32-Bit-x86 setzt das System ausschließlich auf 64-Bit-Prozessoren von Intel und AMD. Ältere Rechner ohne 64-Bit-Unterstützung bleiben damit außen vor. Auch Macs mit Apple-Silicon-Prozessoren werden nicht unterstützt. Ein direktes Upgrade der bisherigen 32-Bit-Installation ist aufgrund des Architekturwechsels nicht möglich. Bestandsanwender müssen das System neu installieren.
Auch die Desktop-Umgebung wurde auf den Stand des aktuellen Raspberry Pi OS gebracht. Ursprünglich aus LXDE hervorgegangen, verwendet sie inzwischen Wayland mit dem Compositor labwc. Zum aktualisierten Erscheinungsbild gehören ein neues Dock und ein zentrales Kontrollzentrum für Systemeinstellungen.
Erstmals ist auch der Fernzugriffsdienst Raspberry Pi Connect in der x86-Version enthalten. Damit lassen sich PCs und Intel-Macs über einen Browser fernsteuern oder per Remote-Terminal verwalten. Die Geräte erscheinen dabei gemeinsam mit regulären Raspberry-Pi-Systemen in der Verwaltungsoberfläche des Dienstes.
Raspberry Pi Desktop wird als ISO-Abbild mit einer Größe von rund 2,6 GByte bereitgestellt. Das System lässt sich von einem USB-Stick starten und optional mit persistentem Speicher betreiben. Änderungen und persönliche Daten bleiben dadurch auch nach einem Neustart erhalten. Alternativ ist eine dauerhafte Installation auf einer Festplatte oder SSD über den grafischen Installer Calamares möglich.
Die Distribution richtet sich insbesondere an Nutzer, die ältere PCs oder Intel-Macs mit einer vergleichsweise schlanken Linux-Umgebung weiterverwenden möchten. Ob und in welchem Rhythmus künftig neue Versionen erscheinen, bleibt allerdings offen. Entwickler Simon Long erklärte in den Kommentaren zur Veröffentlichung, dass man die PC-Version weiter pflegen wolle, dafür aber keine verbindlichen Zusagen machen könne.