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El Niño lässt den Pazifik messbar blauer werden
Der El Niño 2026 hinterlässt inzwischen mehrere deutliche Spuren im tropischen Pazifik. Neue Satellitenkarten zeigen ungewöhnlich warmes Wasser, regionale Verschiebungen des Meeresspiegels und einen blauer werdenden Ozean, der auf weniger Phytoplankton hindeutet. Für den Herbst hält die US-Klimabehörde sogar einen Stärkerekord für möglich, doch dieser ist bislang nicht bestätigt.
Greenbelt (U.S.A.). Im tropischen Pazifik treiben die normalerweise westwärts wehenden Passatwinde warmes Oberflächenwasser in Richtung Indonesien. Vor Südamerika kann deshalb kühleres, nährstoffreiches Wasser aus der Tiefe aufsteigen. Bei El Niño verändert sich dieses Zusammenspiel von Wind und Meeresströmungen, wodurch sich Wärme und Niederschläge auch weit außerhalb des Pazifiks anders verteilen.
Wie ausgeprägt das Ereignis in diesem Jahr ist, zeigt nun eine neue Zusammenschau von Satellitenmessungen der National Aeronautics and Space Administration (NASA). Die Forscher haben aktuelle Daten zu Meereshöhe, Oberflächentemperatur und Wasserfarbe mit entsprechenden Beobachtungen aus dem Jahr 2025 verglichen. Diese drei Messgrößen zeichnen unterschiedliche Folgen derselben großräumigen Veränderung nach.
Eines der frühen Anzeichen tauchte im Januar 2026 bei Mikronesien auf. Dort beobachteten Satelliten eine sogenannte Kelvinwelle, eine Tausende Kilometer lange Bewegung wärmeren Wassers, die ostwärts durch den äquatorialen Pazifik wanderte. Anfang April erreichte diese Welle den östlichen Ozean und ging dort mit steigenden Meerestemperaturen einher.
Die Erwärmung und Verlagerung des Wassers verändern auch die Höhe der Meeresoberfläche. Im östlichen Pazifik lagen die regionalen Werte laut NASA stellenweise etwa 30 bis 40 Zentimeter über dem üblichen Niveau, während sie bei Indonesien und Nordaustralien um rund 15 bis 20 Zentimeter darunter lagen. Diese Gegensätze sind nicht mit einem gleich großen globalen Meeresspiegelanstieg zu verwechseln.
„Kelvinwellen sind wie der Herzschlag des El Niño. Und unsere Satelliten zur Meereshöhenmessung lassen uns in den Ozean hineinblicken und jeden Schlag beobachten“, erklärt Josh Willis vom Jet Propulsion Laboratory (JPL) der NASA.
Sentinel-6 verfolgt solche Veränderungen mit hochpräzisen Radarmessungen der Meereshöhe. Die Satelliten setzen eine Messreihe fort, die Anfang der 1990er-Jahre begann und heute durch Bojen und andere Ozeansensoren ergänzt wird. So lassen sich kurzfristige Verschiebungen von längerfristigen Veränderungen unterscheiden.
Die Temperaturkarten liefern das zweite Signal. Im östlichen Pazifik war das Oberflächenwasser nach Angaben der NASA zuletzt etwa 1,7 Grad Celsius wärmer als im langfristigen Durchschnitt. Der Bereich mit erhöhten Temperaturen reicht über große Teile des tropischen Ozeans bis zur Küste Südamerikas.
Für die Wetterforschung sind diese Messungen wichtig, weil Ozeanwärme sowohl die atmosphärische Zirkulation als auch die Entwicklung tropischer Wirbelstürme beeinflusst. Die Sentinel-6-Satelliten sollen deshalb nicht nur El Niño genauer beobachten, sondern auch Daten für künftige Sturmprognosen liefern. Die Vergleichbarkeit der Messreihen spielt dabei eine wesentliche Rolle.
„Entscheidend ist die Beständigkeit, also jedes Mal auf dieselbe Weise zu messen. So können wir Hurrikane vorhersagen und dadurch Küstengemeinden und Infrastruktur schützen“, erklärt Severine Fournier vom JPL.