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Ältestes Schiffswrack der Welt vor der Türkei entdeckt
Vor der türkischen Insel Kekova liegt eine Ansammlung frühbronzezeitlicher Keramikgefäße, die von einem gesunkenen Handelsschiff stammen könnten. Neue Vergleiche datieren den Fundplatz vorläufig auf 4.400 bis 4.700 Jahre und damit möglicherweise älter als das bisherige Rekordwrack. Vom Schiffsrumpf fehlt allerdings jede Spur, und die jüngsten Analysen sind noch nicht abschließend veröffentlicht.
Antalya (Türkei). Schon vor mehr als vier Jahrtausenden wurden Waren über das östliche Mittelmeer verschifft. Welche Wege die frühen Handelsschiffe nahmen, lässt sich bislang aber nur lückenhaft rekonstruieren. Jüngere bronzezeitliche Wracks vor der türkischen Küste haben gezeigt, wie aufschlussreich erhaltene Ladungen für solche Fragen sein können.
Vor der Insel Kekova nahe Antalya haben Unterwasserarchäologen auf einem felsigen Meeresgrund Keramikgefäße entdeckt, die sie einem noch erheblich älteren Schiff zuschreiben. Die Funde liegen rund 30 Meter unter der Wasseroberfläche verstreut. Hölzerne Reste des vermuteten Schiffskörpers haben sich nicht erhalten.
Forscher der Akdeniz University um Dr. Hakan Öniz haben den Fundplatz bereits 2024 dokumentiert. In einem wissenschaftlichen Vorbericht beschreiben sie die Vermessung des Geländes und die Untersuchung zweier 2024 und 2025 geborgener Amphoren. Weitere Unterwassergrabungen im Jahr 2026 lieferten inzwischen neues Material, das noch nicht vollständig fachwissenschaftlich ausgewertet ist.
Die entscheidenden Hinweise stammen von den Transportgefäßen. Mehrere Amphoren besitzen einen flachen Boden, zwei seitliche Henkel und eine auffällige umlaufende Verdickung am Gefäßkörper. Solche Formen sind aus der frühen Bronzezeit in der Levante bekannt. Durch Vergleiche mit anderen datierten Fundstücken ordnen die Archäologen die Ladung vorläufig der Zeit zwischen etwa 2700 und 2400 vor Christus zu.
Weil vom hölzernen Schiff nichts übrig ist, lässt sich der Untergang nicht direkt an erhaltenen Planken datieren. Stattdessen erschließen die Wissenschaftler das Alter aus Form, Verzierung und Herstellung der Keramik. Die genaue zeitliche Eingrenzung bleibt daher unsicher. Auch ein etwas jüngerer oder älterer Zeitpunkt ist nach Angaben der beteiligten Archäologen möglich.
Die Gefäße könnten einen Handelsweg entlang der südlichen Mittelmeerküste Anatoliens dokumentieren. Neuere Untersuchungen des Tons und Vergleiche mit ähnlicher Keramik sprechen nach Einschätzung des Teams dafür, dass zumindest ein Teil der Amphoren aus dem Gebiet des Jordantals stammt. Eine Route aus der Levante in Richtung Troja oder Kreta wird diskutiert, lässt sich aus den Funden aber nicht sicher rekonstruieren.
Einige der geborgenen Gefäße enthalten noch sichtbare Rückstände. Denkbar ist, dass sie einst Olivenöl, Wein oder Baumharze transportierten. Die genaue Zusammensetzung dieser Reste muss jedoch erst im Labor untersucht werden. Dass solche Waren tatsächlich auf der letzten Fahrt an Bord waren, ist deshalb bislang nicht nachgewiesen.
Besondere Aufmerksamkeit gilt einem Gefäß mit neun Markierungen und zwei Öffnungen an der Wandung. Es könnte zum Schlagen von Butter oder zur Herstellung von Käse gedient haben. Daraus lässt sich allerdings noch nicht schließen, dass die Seeleute lebende Ziegen mitführten oder tatsächlich Milchprodukte an Bord herstellten. Auch diese Deutung muss durch weitere Untersuchungen abgesichert werden.
Der bereits veröffentlichte Vorbericht nennt zudem zwei dreifach gelochte und einen einfach gelochten Steinanker im Umfeld des Fundplatzes. Ob diese Anker wirklich zu dem vermuteten Schiff gehörten, ist nach der Studie noch ungeklärt. Damit beruhen wesentliche Aussagen über das Gefährt bislang auf der Keramik und der Verteilung der Objekte auf dem Meeresgrund.