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Bei einer Blutgruppe ist das Typ-2-Diabetes-Risiko deutlich höher
Auffälliges Blutgruppenmuster: Eine umfassende Neubewertung früherer Studien verbindet Blutgruppe B mit erhöhten Erkrankungschancen für Typ-2-Diabetes. Von 270 untersuchten Zusammenhängen zwischen Blutgruppen und Gesundheitsfolgen erreichte nur dieser Befund die höchste statistische Evidenzklasse. Ob die Blutgruppe selbst zum Erkrankungsrisiko beiträgt, lässt sich daraus jedoch nicht ableiten.
Shenyang (China). Die Blutgruppe bestimmt, welche Blutkonserven bei einer Transfusion verträglich sind. Das vererbte Merkmal könnte aber auch mit der Anfälligkeit für bestimmte Erkrankungen zusammenhängen. Frühere Untersuchungen brachten Blutgruppen beispielsweise mit Infektionen, Gefäßleiden und Stoffwechselstörungen in Verbindung.
Das sogenannte ABO-System unterscheidet die Blutgruppen A, B, AB und 0. Der zusätzliche Rhesusfaktor bestimmt, ob eine Blutgruppe als positiv oder negativ bezeichnet wird. Doch zahlreiche veröffentlichte Zusammenhänge zwischen Blutgruppe und Krankheit erwiesen sich bei genauerer Prüfung als unsicher.
Forscher des Shengjing Hospital of China Medical University um De-Yu Zhang haben deshalb die verfügbaren systematischen Übersichtsarbeiten neu bewertet. Ihre 2024 veröffentlichte Untersuchung ist eine sogenannte Umbrella-Review: Statt neue Patienten zu untersuchen, analysiert sie bereits zusammengefasste Ergebnisse vieler Beobachtungsstudien.
Das Team wertete 51 systematische Übersichten mit Meta-Analysen aus, die insgesamt 270 Verbindungen zwischen den ABO- und Rhesus-Blutgruppen und verschiedenen Gesundheitsfolgen untersuchten. Die zugrunde liegende Literatur wurde bis zum 16. Februar 2024 systematisch erfasst. Anschließend prüften die Wissenschaftler unter anderem die statistische Aussagekraft, Unterschiede zwischen Studien und mögliche Verzerrungen.
Das auffälligste Ergebnis betraf Typ-2-Diabetes. Im Vergleich mit Menschen ohne Blutgruppe B lagen die statistischen Erkrankungschancen bei Menschen mit Blutgruppe B um etwa 28 Prozent höher. Das zusammengefasste Chancenverhältnis, die sogenannte Odds Ratio, betrug 1,28. Das 95-Prozent-Konfidenzintervall reichte von 1,17 bis 1,40, und der Befund stützte sich auf 6.870 Diabetesfälle.
Wichtig ist die Bezugsgröße: Die 28 Prozent beziehen sich auf die relativen statistischen Chancen, nicht auf eine Zunahme um 28 Prozentpunkte. Aus dem Ergebnis lässt sich auch nicht unmittelbar berechnen, wie wahrscheinlich die Erkrankung bei einem einzelnen Menschen mit Blutgruppe B tatsächlich ist. Untersucht wurde die ABO-Blutgruppe B gegenüber allen Nicht-B-Blutgruppen, nicht speziell eine positive oder negative Rhesusvariante.
Bei den strengen statistischen Einstufungskriterien der Autoren erreichte nur dieser Diabeteszusammenhang die höchste Kategorie „überzeugend“. Achtzehn weitere Verbindungen galten als besonders vielversprechend, erfüllten aber nicht sämtliche Kriterien. In einer zusätzlich angewandten Bewertung der Evidenzsicherheit nach dem GRADE-Verfahren erreichte allerdings keine der untersuchten Verbindungen die höchste Vertrauensstufe.
Zudem beruhen die ausgewerteten Befunde auf Beobachtungsdaten. Diese können zeigen, dass Blutgruppe und Erkrankung gemeinsam auftreten, aber nicht, dass das Blutgruppenmerkmal Diabetes auslöst. Die Autoren diskutieren mögliche biologische Verbindungen, etwa über die Zusammensetzung des Darmmikrobioms. Einen solchen Mechanismus hat die Übersicht jedoch nicht selbst nachgewiesen.
Typ-2-Diabetes entsteht durch ein Zusammenspiel verschiedener Einflüsse. Zu den bekannten Risikofaktoren zählen unter anderem Übergewicht, Bewegungsmangel und erbliche Veranlagung. Beeinflussbare Faktoren wie Körpergewicht und Bewegung bieten für die Vorsorge deutlich bessere Ansatzpunkte als der statistische Blutgruppenbefund.