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Menschen mit Geldsorgen vertrauen der Wissenschaft weniger
Wer finanziell kaum über die Runden kommt, vertraut der Wissenschaft deutlich seltener als Menschen mit ausreichendem Einkommen. Das zeigt eine internationale Befragung von mehr als 140.000 Menschen aus 140 Ländern. Seit 2018 ist der Abstand zwischen den Gruppen gewachsen. Ob wirtschaftliche Sorgen selbst das Misstrauen auslösen, lässt sich daraus allerdings nicht ableiten.
London (England). Wissenschaft kann Krankheiten erklären und bei der Lösung drängender Probleme helfen. Ob ihre Ergebnisse angenommen werden, hängt aber auch davon ab, wie viel Vertrauen Menschen in wissenschaftliche Institutionen haben. Dieses Vertrauen ist nicht überall gleich verteilt.
Aus früheren Befragungen war bekannt, dass Einstellungen zur Wissenschaft je nach Land und gesellschaftlicher Gruppe deutlich auseinandergehen. Unklar blieb, wie sich diese Unterschiede nach der Corona-Pandemie entwickelt haben und welche Erfahrungen mit dem Vertrauen zusammenhängen.
Für den Wellcome Global Monitor 2026 hat die britische Forschungsstiftung Wellcome Trust gemeinsam mit Partnern nun Antworten von mehr als 140.000 Menschen aus 140 Ländern ausgewertet. Die Befragungen fanden 2025 im Rahmen des Gallup World Poll statt, persönlich, telefonisch und teilweise online. Vergleiche mit 2018 und 2020 sind für 108 Länder möglich, die in allen drei Erhebungswellen erfasst wurden.
Unter Menschen, die von ihrem Einkommen bequem leben können, gaben 2025 weltweit 39 Prozent an, der Wissenschaft stark zu vertrauen. Von den Befragten, denen das Zurechtkommen mit dem Einkommen schwerfällt, sagten dies nur 20 Prozent. Die Untersuchung erfasst dabei die subjektive Einschätzung der finanziellen Lage und nicht die tatsächliche Einkommenshöhe.
Zwischen beiden Gruppen liegt somit ein Unterschied von 19 Prozentpunkten. Im Vergleich der gemeinsamen Untersuchungsländer waren es 2018 noch 13 Prozentpunkte. Von 2020 bis 2025 sank der Anteil mit großem Wissenschaftsvertrauen bei finanziell belasteten Menschen um 16 Prozentpunkte, bei finanziell abgesicherten dagegen um zehn Prozentpunkte.
Der Befund lässt sich nicht auf die finanzielle Situation allein zurückführen. Menschen, die staatlichen Institutionen weniger vertrauen oder Korruption für verbreitet halten, zeigen der Erhebung zufolge ebenfalls geringeres Wissenschaftsvertrauen. Auch Länder mit größerer wirtschaftlicher Ungleichheit weisen im Durchschnitt niedrigere Vertrauenswerte auf.
„Der Wellcome Global Monitor zeigt, dass Vertrauen in Wissenschaft nicht isoliert besteht. Menschen vertrauen der Wissenschaft eher, wenn Institutionen für sie funktionieren, die Gesundheitsversorgung zugänglich ist und die Wissenschaft für ihr Leben relevant ist. Vertrauen aufzubauen bedeutet, die Erfahrungen, Werte und Sorgen der Menschen ernst zu nehmen und sicherzustellen, dass die Vorteile der Wissenschaft in der gesamten Gesellschaft ankommen“, erklärt Mark Henderson von Wellcome.
Ein weiterer Zusammenhang zeigt sich beim Vertrauen in das Gesundheitswesen. Über alle 140 Länder hinweg äußerten 26 Prozent der Befragten großes Vertrauen in die Wissenschaft. Unter Menschen, die auch den Krankenhäusern und Gesundheitszentren ihres Landes stark vertrauen, stieg dieser Anteil auf 43 Prozent.
Zwar glauben 81 Prozent der Befragten, dass wissenschaftliche Arbeit Menschen wie ihnen zumindest etwas nutzt. Nur 37 Prozent finden aber, dass die meisten Menschen im eigenen Land davon profitieren. Weitere 20 Prozent meinen, die Vorteile erreichten nur sehr wenige. Persönlicher Nutzen und eine als gerecht empfundene Verteilung wissenschaftlichen Fortschritts sind also nicht dasselbe.