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Frankreich-Proteste: "Macron hat nicht die richtigen Antworten gefunden"
Frankreich steht nach den Unruhen am Wochenende unter Schock. Hat Macron die Unzufriedenheit im Land unterschätzt? Politikwissenschaftler Ross über die Vorwürfe gegen den Präsidenten - und welche Optionen dieser nun hat.
tagesschau24: Sind die Proteste vom Wochenende typisch für die französische Protestkultur? Reihen sie sich ein in eine lange Historie des Widerstands oder ist das eine neue Stufe?
Ross: Sie reihen sich einerseits sicher in eine lange historische Reihe ein. Auch in der jüngeren Geschichte gab es immer wieder solche Ausschreitungen, zuletzt zum Beispiel 2018 während der Gelbwesten-Proteste, 2023 nach der Tötung eines 17-Jährigen in einer Verkehrskontrolle, oder im Mai diesen Jahres nach dem Champions-League-Gewinn von Paris Saint-Germain hier in der Hauptstadt.
Aber das, was da am Wochenende vorgefallen ist, hatte schon eine neue Stufe. Wenn man sich die Zahlen der geplünderten Geschäfte anguckt, der beschädigten Symbole der Republik - sie zeigten das verbrannte Rathaus in Limoges - , auch der verletzten Einsatzkräfte. Dann kann man schon sagen, dass das eine Eskalation dieser Reihe war.
tagesschau24: Die Menschen, die randaliert und geplündert haben: Wie lassen die sich am besten beschreiben?
Ross: Man muss die Gruppen ganz deutlich voneinander trennen und unterscheiden. Es gibt einerseits die Schüler und Studenten, mit denen diese Proteste Mitte September begonnen haben. Die haben, glaube ich, legitime Anliegen zur Ausstattung ihrer Schulen, im Bildungssystem vorgebracht.
Dann gibt es eine zweite Gruppe, auf die jetzt sehr stark der Fokus von der Regierung gerichtet wird, auch von den Inlandsgeheimdiensten: linksextreme, linksautonome Gruppen, die sich unter diese Schülerproteste gemischt haben und jetzt zunehmend gewalttätig in den Stadtzentren aktiv werden.
Und dann gibt es eine dritte Gruppe. Das sind Jugendliche, häufig aus migrantischen Elternhäusern, aus den Vorstädten der großen französischen Städte. Sie versuchen scheinbar bei jeder Gelegenheit, sich auch unter solche Großveranstaltungen zu mischen, dann Brandstiftungen zu begehen, Einsatzkräfte anzugreifen oder eben Geschäfte zu plündern. Es handelt sich eben bei diesen drei Gruppen um sehr unterschiedliche mit vollkommen unterschiedlichen Anliegen.
Nach den gewalttätigen Protesten ist Frankreichs Regierung mit der Frage beschäftigt, wie es dazu kommen konnte.
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tagesschau24: Wenn wir einmal auf die eher friedliche Gruppe schauen. Diese Protestierenden sind massiv unzufrieden mit vielen innenpolitischen Maßnahmen von Frankreichs Präsident Macron. Nimmt er diese Themen nicht richtig ernst?