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Vogelkot ist für viele Ökosysteme wichtiger als gedacht
Vögel sind weit mehr als fliegende Samenverbreiter, denn sie transportieren über ihre Ausscheidungen Stickstoff und Phosphor zwischen Wäldern, Seen und Meeren. Eine systematische Auswertung von 365 Fachstudien zeigt, wie diese natürlichen Transporte das Pflanzenwachstum und ganze Nahrungsketten beeinflussen. Der Rückgang vieler Vogelpopulationen könnte deshalb auch die Fruchtbarkeit von Ökosystemen beeinträchtigen.
Ithaca (U.S.A.). Pflanzen brauchen für ihr Wachstum neben Wasser und Licht vor allem Nährstoffe wie Stickstoff und Phosphor. Wo diese Elemente fehlen, bleiben auch die Nahrungsketten, die auf den Pflanzen aufbauen, häufig wenig produktiv. Nährstoffe gelangen nicht nur mit Flüssen, Wind oder Regen von einem Ort zum anderen. Auch Tiere verschieben sie, indem sie an einem Ort fressen und an einem anderen ihre Ausscheidungen hinterlassen.
Vögel können dabei besonders große Entfernungen überwinden. Anders als viele Landtiere verbinden sie durch ihre Flüge Inseln, Küsten und Binnengewässer, oft über die Grenzen ganzer Ökosysteme hinweg. Wie bedeutend dieser Transport insgesamt ist, war bislang jedoch nur bruchstückhaft erfasst.
Forscher der Cornell University um Ethan S. Duvall haben nun 365 wissenschaftliche Arbeiten zum Transport und zur Wiederverwertung von Nährstoffen durch Vögel systematisch ausgewertet. Neben den ökologischen Wirkungen erfassten sie, wie Ernährung, Körpergröße und Verhalten die Menge und Verteilung dieser Stoffe beeinflussen.
„Obwohl Ökologen schon lange wissen, dass Vögel Nährstoffe transportieren, zeigt unsere Übersichtsarbeit das Ausmaß und die geografische Reichweite dieser Rolle“, erklärt Prof. Amanda Rodewald von der Cornell University.
Der Blick auf die Literatur zeigt, wie stark Vogelkot die Chemie von Böden und Gewässern prägen kann. In 93 Prozent der 105 ausgewerteten Untersuchungen an Land, die die Stickstoffverfügbarkeit erfassten, nahm diese durch Vogeleinträge zu. Beim Phosphor berichteten 96 Prozent von 91 entsprechenden Landstudien über einen Anstieg. Das sind Anteile der untersuchten Arbeiten, keine weltweit gemessenen Zuwachsraten.
Seevögel nehmen Nährstoffe mit ihrer Nahrung im Meer auf und scheiden sie häufig an Land wieder aus, etwa auf Brutinseln. Niederschläge können diese Stoffe anschließend in nahegelegene Küstengewässer schwemmen, wo sie auch Korallenriffe und Seegraswiesen versorgen. In einigen untersuchten Seen lieferten Wasservögel mehr als drei Viertel des jährlichen Phosphoreintrags. Solche Werte sind allerdings ortsabhängig und lassen sich nicht auf alle Gewässer übertragen.
Wo Pflanzen und Algen durch solche Einträge leichter an Nährstoffe gelangen, können sie stärker wachsen. In 79 Prozent der 79 einschlägigen Studien wurde eine Zunahme der Primärproduktion beobachtet, also der Bildung pflanzlicher Biomasse. Das kann sich auch auf Insekten, Fische und andere Tiere auswirken, die von dieser Nahrungsgrundlage abhängen.
„Das kann das Wachstum von Pflanzen und Algen verstärken, aber auch den Lebewesen, die diese Pflanzen fressen, etwa Insekten und Wirbeltieren, zu einer nährstoffreicheren Nahrung verhelfen. Diese Inseln der Fruchtbarkeit können deshalb Kettenreaktionen auslösen“, erklärt Ethan Duvall.
Der Düngeeffekt ist allerdings nicht überall positiv. Wo besonders viele Vögel auf engem Raum Nährstoffe eintragen, können Böden versauern, Pflanzen geschädigt und Gewässer durch übermäßiges Algenwachstum belastet werden. Manche Vogelarten transportieren zudem Schadstoffe wie Quecksilber oder Blei. Ob ihre Einträge nützen oder schaden, hängt deshalb von Vogelart, Nahrungsangebot und örtlichen Bedingungen ab.