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Life is Strange-Studio Don't Nod kämpft ums Überleben: Gericht eröffnet Schutzverfahren
Das erste Halbjahr 2026 endete mit 7,1 Millionen Euro Verlust. Auch das jüngste Spiel Aphelion blieb hinter den Erwartungen zurück.
Die finanzielle Lage bei Don't Nod wird immer ernster. Das französische Entwicklerstudio hinter Life is Strange, Jusant und Lost Records: Bloom & Rage hat gerichtlichen Schutz vor seinen Gläubigern beantragt. Ein Pariser Wirtschaftsgericht hat dem Antrag am 19. Oktober 2026 stattgegeben. Das Verfahren soll dem Unternehmen Zeit verschaffen, eine langfristige Finanzierungslösung zu finden und den Geschäftsbetrieb fortzusetzen.
Die französische Procédure de sauvegarde ist ein gerichtliches Sanierungsverfahren für Unternehmen, die sich in erheblichen finanziellen Schwierigkeiten befinden, aber noch nicht zahlungsunfähig sind. Es soll eine Neuordnung der Finanzen ermöglichen, bevor die Situation außer Kontrolle gerät. Die zunächst sechsmonatige Beobachtungsphase kann verlängert werden.
Wie angespannt die Situation ist, zeigen die aktuellen Geschäftszahlen. Don't Nod verzeichnete im ersten Halbjahr 2026 einen Nettoverlust von 7,1 Millionen Euro. Im Vorjahreszeitraum waren es allerdings noch 20,8 Millionen Euro gewesen, unter anderem aufgrund hoher Wertberichtigungen. Der Umsatz sank um 14 Prozent auf 6,1 Millionen Euro, während sich das operative EBITDA von minus 2 Millionen auf minus 4,3 Millionen Euro verschlechterte.
Bereits Anfang September hatte Don't Nod davor gewarnt, dass die vorhandenen finanziellen Mittel möglicherweise nicht ausreichen würden, um den Geschäftsbetrieb über den 31. Januar 2027 hinaus aufrechtzuerhalten. Daran hat sich offenbar nichts geändert. Ende Juni verfügte das Unternehmen noch über liquide Mittel in Höhe von rund 9,9 Millionen Euro, nachdem es Ende 2025 noch 15,5 Millionen Euro gewesen waren.
Geschäftsführer Oskar Guilbert verweist dabei auch auf die angespannte Situation der gesamten Videospielbranche. Insbesondere die Beschaffung neuer Finanzierungsmittel sei erheblich schwieriger geworden. Die vorhandenen Geldreserven reichten nicht aus, um sämtliche finanziellen Anforderungen des laufenden Geschäftsbetriebs und der Spieleprojekte abzusichern.
Das nun eingeleitete französische Schutzverfahren, die sogenannte Procédure de sauvegarde, verschafft Don't Nod zunächst sechs Monate Zeit. Während dieser Beobachtungsphase werden Verbindlichkeiten, die vor der gerichtlichen Entscheidung entstanden sind, eingefroren. Gemeinsam mit einem gerichtlich bestellten Verwalter soll eine tragfähige Lösung gefunden werden.
Die Probleme des Studios reichen bis ins Jahr 2024 zurück. Damals musste Don't Nod einräumen, dass sich sowohl das Kletterabenteuer Jusant als auch das Action-Rollenspiel Banishers: Ghosts of New Eden trotz positiver Kritiken deutlich schlechter verkauft hatten als erwartet. Zwei weitere Spieleprojekte wurden daraufhin vorläufig auf Eis gelegt.
Es folgten Entlassungen und umfangreiche Sparmaßnahmen. Auch Lost Records: Bloom & Rage brachte nicht die erhoffte wirtschaftliche Wende. Und mit dem im April 2026 veröffentlichten Aphelion hat inzwischen ein weiteres Spiel die kommerziellen Erwartungen verfehlt.
Immerhin gibt es auch positive Entwicklungen: Das Studio in Montreal arbeitet im Auftrag von Netflix an einem bislang nicht näher vorgestellten narrativen Spiel, das auf einer bekannten Marke des Streaminganbieters basiert. Die Zusammenarbeit brachte Don't Nod im ersten Halbjahr Entwicklungseinnahmen in Höhe von rund 2,6 Millionen Euro ein.