// SCINEXX — SPAZIO & SCIENZA
Sinkendes Antarktiseis zeigt massiven Wasserverlust eines verborgenen Sees
Unter dem ostantarktischen Eisschild hat der Kronshtadskiy-See zwischen 2016 und 2021 nach einer neuen Analyse rund 78 Millionen Kubikmeter Wasser verloren. Satellitenradardaten zeigen, dass die Eisoberfläche über dem See um bis zu 6,37 Meter absank. Weitere Verformungen liefern Hinweise auf ein mögliches Netzwerk verbundener Seen im Untergrund.
Chuncheon (Südkorea). Unter dem Eispanzer der Antarktis liegen zahlreiche Seen, die trotz der eisigen Oberflächentemperaturen flüssiges Wasser enthalten. Bei Veränderungen ihres Wasserstands hebt oder senkt sich mitunter die darüberliegende Eisdecke. Deshalb lässt sich das Geschehen in der Tiefe indirekt vom Weltraum aus verfolgen, ohne den See selbst zu sehen.
Wasser am Grund des Eisschilds kann die Reibung zwischen Eis und Untergrund verringern und so die Bewegung von Gletschern beeinflussen. Wie schnell einzelne Seen Wasser abgeben und ob sie durch unterirdische Wasserwege verbunden sind, ist vielerorts noch ungeklärt. Satellitenmessungen der Eishöhe erfassen oft nur schmale Streifen und können räumlich begrenzte Veränderungen übersehen.
Forscher der Kangwon National University (KNU) um Prof. Hoonyol Lee haben deshalb den Kronshtadskiy-See nahe dem Amery-Schelfeis in der Ostantarktis genauer untersucht. Dazu analysierten sie Veränderungen der Eisoberfläche zwischen Mai 2016 und Juni 2021 anhand wiederholter Satellitenradarmessungen. Der See war bereits 2025 bei einer unabhängigen Satellitenerfassung beschrieben worden.
Die Wissenschaftler nutzten Aufnahmen des europäischen Radarsatelliten Sentinel-1 und berechneten daraus 77 Karten der Oberflächenverschiebung auf Basis von Messungen im Abstand von 24 Tagen. Mit der doppelt differenziellen Radarinterferometrie unterdrückten sie weitgehend die gleichförmige seitliche Bewegung des Gletschers. Dadurch traten lokale Höhenänderungen hervor, die auf Wasserbewegungen unter dem Eis hindeuten.
Auf rund 61 Quadratkilometern zeichnete sich eine annähernd kreisrunde Senke ab. Diese Fläche markiert die beobachtete Verformung des Eises und nicht zwingend die tatsächliche Ausdehnung des unterirdischen Sees. Im Zentrum hatte sich das Eis über fünf Jahre um insgesamt 6,37 Meter abgesenkt, über die gesamte Fläche im Mittel um 1,27 Meter. Daraus leiteten die Forscher einen Wasserverlust von rund 78 Millionen Kubikmetern ab.
Am stärksten senkte sich die Eisoberfläche in den Jahren 2016 und 2017. Allein in dieser frühen Phase betrug die Absenkung am zentralen Messpunkt 3,82 Meter. Anschließend verlangsamte sich die Bewegung erheblich und war gegen Ende des Untersuchungszeitraums nur noch gering. Das spricht eher für ein längeres Abfließen oder wiederholte kleinere Entleerungen als für einen einzigen plötzlichen Ausbruch.
Unabhängige Höhenmessungen der Satelliten CryoSat-2 und ICESat-2 bestätigten den grundlegenden Verlauf mit anfänglich starker Absenkung und späterer Stabilisierung. In den räumlichen Einzelheiten und im zeitlichen Verlauf wichen die Messreihen allerdings etwas voneinander ab, weil die Instrumente unterschiedliche Messpunkte und Verfahren nutzen.
Weiter stromabwärts beobachtete das Team eine auffällige Folge weiterer Verformungen. Auf die Absenkung über dem Kronshtadskiy-See folgte eine Hebung an einer benachbarten Stelle und weiter unten erneut eine Absenkung. Denkbar ist deshalb, dass Wasser vom ersten See in einen zweiten gelangte und anschließend in einen dritten Bereich weiterfloss. Einen solchen Wasserweg haben die Satellitendaten allerdings nicht unmittelbar nachgewiesen.
Auch die geschätzte Wassermenge beruht auf einer indirekten Ableitung aus der Eisbewegung. Sie setzt unter anderem voraus, dass der seitliche Eisfluss hinreichend gleichmäßig blieb und die Oberflächenverformung Änderungen der Wasserspeicherung widerspiegelt. Außerdem stand den Forschern nur eine Blickrichtung des Radars zur Verfügung. Messungen am Boden mit eisdurchdringendem Radar oder seismischen Verfahren wären nötig, um Form und Verbindungen der verbo