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Wie Erdwärme die Wärmeversorgung verändern soll
In Potsdam wird gerade mehr als einen Kilometer in den Boden gebohrt, um künftig Tausende Haushalte mit Erdwärme zu versorgen. Die Technik birgt Risiken, aber auch viele Chancen.
Ein 30 Meter hoher Bohrturm ragt auf dem Gelände des Heizkraftwerks Potsdam Süd in die Höhe. Seit Juli wird hier gebohrt, fast rund um die Uhr. Die Bohrungen sollen bis zu 1.500 Meter tief gehen.
Das Ziel: möglichst viel warmes Wasser finden, um damit künftig Tausende Haushalte der Brandenburger Landeshauptstadt zu versorgen. Denn Potsdam will bis 2035 seine Fernwärme komplett ohne fossile Energieträger erzeugen. Die sogenannte Tiefengeothermie soll dabei eine zentrale Rolle spielen.
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Rund 78 Millionen Euro sind für das Projekt am Heizkraftwerk Süd eingeplant. Die Verantwortlichen geben sich zuversichtlich, dass sich der Aufwand auszahlen wird. Aber niemand kann genau vorhersagen, wie viel warmes Wasser sich tatsächlich dort aus dem Untergrund fördern lässt. "Man weiß ja nie, ob man fündig wird", sagt Tristan Grüttner, Projektleiter beim kommunalen Energieversorger EWP. "Wir haben aber natürlich im Vorfeld viele Studien gemacht." Und die ersten Ergebnisse würden zeigen, dass man auf dem richtigen Weg sei, berichtet der Projektleiter.
Bis Ende des Jahres sollen weitere Erkenntnisse vorliegen. Dann wird auch entschieden, ob noch zusätzliche Bohrungen sinnvoll sind. An einem anderen Standort in Potsdam waren sie so bereits erfolgreich. Auf dem Gelände eines ehemaligen Straßenbahndepots ist bereits seit 2024 eine erste Geothermieanlage in Betrieb. Sie versorgt bereits ein ganzes Neubauquartier mit Erdwärme. Mit vier Megawatt thermischer Leistung liefert die Anlage doppelt so viel Wärme wie ursprünglich erwartet.
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Das Prinzip ist vergleichsweise einfach: Je tiefer man in die Erde bohrt, desto wärmer wird es. In Deutschland steigt die Temperatur durchschnittlich um etwa drei Grad pro 100 Meter. Das warme Wasser wird aus tiefen Gesteinsschichten an die Oberfläche gepumpt. Dort wird ihm Wärme entzogen, die zum Heizen genutzt werden kann. Anschließend wird das abgekühlte Wasser zurück in den Untergrund geleitet.
Gerade Brandenburg bietet dafür gute Voraussetzungen. Das Bundesland liegt zu großen Teilen im Norddeutschen Becken, dort gibt es in großer Tiefe Sandsteinschichten, die das warme Wasser speichern. "Der zentrale Teil Brandenburgs liegt in den besten Gebieten, was die Untergrundeigenschaften für Geothermie betrifft", sagt Ingo Sass vom Helmholtz-Zentrum für Geoforschung in Potsdam. Entscheidend ist allerdings bei den Bohrungen immer: Es muss auch genügend Wasser vorhanden sein, das sich fördern lässt.
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