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Google zieht bei deutschen Geheimdiensten ein: Gemeinsames Cloud-System in der Mache
von André Westphal
26. Okt. 2026 |
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In der Europäischen Union (EU) herrschte durch diverse wankelmütige Aktionen der US-Regierung unter dem Präsidenten Donald Trump in den letzten Monaten die Stimmung vor, dass es besser wäre, sich in Zukunft unabhängiger von den Vereinigten Staaten zu machen. Das sollte insbesondere für Sicherheitsbelange gelten. Wie wichtig das sein könnte, sieht man in der aktuellen Lage, in der sich die USA wieder deutlich Russland annähern. Doch bei deutschen Geheimdiensten entwickelt man Pläne in die entgegengesetzte Richtung. So will man mit dem US-Konzern ein neues Cloud-System aufbauen.
Der Bedarf ist da: Aktuell ist es für Mitarbeiter des Verfassungsschutzes z. B. schwierig, als "vertraulich" oder "geheim" eingestufte Dokumente außerhalb des offiziellen Büros abzurufen. Die Sicherheitsvorkehrungen sind zu Recht hoch. Das erschwert jedoch auch den Austausch von geheimen Informationen unter den Behörden. Doch deutsche Nachrichtendienste sollen in Zukunft enger und besser zusammenarbeiten. Nach Recherchen von NDR und WDR planen die Nachrichtendienste des Bundes (via Tagesschau) eine sogenannte ND-Cloud aufzubauen. Das soll den Austausch von Daten bis zu der Einstufung "geheim" deutlich erleichtern. Google spielt dabei für die Infrastruktur offenbar eine Schlüsselrolle.
Die ND-Cloud soll dann am Ende vom Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV), dem Bundesnachrichtendienst (BND) und dem Militärischen Abschirmdienst (MAD) der Bundeswehr gemeinsam genutzt werden. Damit wären die Behörden erstmals in der Lage, als "geheim" eingestufte Daten digital pfeilschnell auszutauschen. Später sollen an die Cloud auch die Verfassungsschutzbehörden der Bundesländer angeschlossen werden. Basieren soll die ND-Cloud auf der Google Distributed Cloud (GDC). Dabei wollen die Nachrichtendienste die Air-Gapped-Version einsetzen. Die Cloud soll also autonom betrieben werden. Sie hätte keine direkte Anbindung ins öffentliche Internet und auch nicht zu Google.
Die Daten in der ND-Cloud sollen in Deutschland gespeichert werden. Das Ganze soll als getrenntes System aufgebaut werden, mit besonderen Schutzmaßnahmen. Eigentlich sollte diese Lösung bereits im 1. Quartal 2026 launchen, verzögert sich aber. Das liegt offenbar daran, dass das Bundesamt für die Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) noch die Zulassung erteilen muss. Kosten soll das Projekt mindestens 500 Mio. Euro.
Sicherheitsexperten sehen die Sache zwiegespalten. Einerseits gehen sie davon aus, dass die sensiblen Daten ausreichend geschützt sein werden. Andererseits mache man sich von Google hinsichtlich zukünftiger Updates der Plattform abhängig. Diese könnten die Software zudem verändern, ohne dass sichergestellt sei, dass Betreiber hierzulande die Auswirkungen derartiger Updates im Detail einschätzen könnten.
Es könnten zudem für größere Updates neue Zulassungsprozesse notwendig sein, die natürlich auch wieder Ressourcen binden. So oder so landen bei den Nachrichtendiensten immer größere Datenmengen, sodass sie auch mit künstlicher Intelligenz an die Analyse gehen wollen. Deswegen müssen auch die Speicherkapazitäten und Rechenzentren ausgebaut werden. Inwiefern man da wirklich unabhängiger von US-Anbietern werden kann und will, steht in den Sternen.
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