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Seriöse Medien gehen mit weniger Verschwörungsglauben einher
Nachrichten gegen Desinformation: Menschen, die regelmäßig journalistische Angebote nutzen, halten unbelegte Verschwörungsaussagen seltener für plausibel als Menschen mit kaum Nachrichtenkontakt. Das zeigt eine Befragung von 1.222 Erwachsenen in der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Wer sich vorwiegend über TikTok oder Instagram informiert, unterscheidet sich dabei kaum von Menschen ohne Nachrichtenkonsum.
Zürich (Schweiz). Ob eine erfundene Behauptung geglaubt wird, hängt nicht nur von ihrem Inhalt ab. Auch die Wege, über die Menschen Nachrichten erhalten, können mit ihrer Anfälligkeit für Verschwörungserzählungen zusammenhängen. Digitale Plattformen liefern zwar zahllose Informationshäppchen, doch diese ersetzen nicht zwangsläufig journalistisch geprüfte Nachrichten.
Bisher war vor allem bekannt, dass Menschen Falschinformationen auf sozialen Medien als Problem wahrnehmen. Weniger klar war, wie unterschiedliche Kombinationen von Nachrichtenquellen mit dem Glauben an unbelegte Verschwörungsaussagen zusammenhängen. Eine neue Untersuchung aus der Schweiz liefert dazu nun konkrete Vergleichsdaten.
Wissenschaftler des Forschungszentrums Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög) der Universität Zürich (UZH) haben dafür 1.222 Menschen zwischen 18 und 79 Jahren online befragt. Die Teilnehmer stammten aus der deutsch- und französischsprachigen Schweiz. Die Erhebung fand im Juli 2026 statt und berücksichtigte bei der Zusammensetzung der Stichprobe Sprachregion, Geschlecht, Alter und Bildungsgrad.
Zunächst erfasste das Team, wie häufig die Befragten 19 unterschiedliche Nachrichtenangebote nutzen. Daraus ermittelten die Forscher fünf typische Muster: traditionelle und qualitätsorientierte Mediennutzung, eine intensive Nutzung verschiedenster Kanäle sowie zwei Gruppen mit besonders wenig journalistischen Nachrichten. Zusammen gehören 42 Prozent zu diesen beiden sogenannten nachrichtendeprivierten Gruppen.
Zusätzlich bewerteten die Teilnehmer zwölf Aussagen, darunter sechs wissenschaftlich nicht gestützte Verschwörungsbehauptungen. Die Zustimmung zu diesen sechs Aussagen diente als Maß für die Anfälligkeit gegenüber Desinformation. Rund ein Drittel hielt beispielsweise die falsche Behauptung, 5G-Mobilfunk verursache nachweislich schwere Gesundheitsschäden, für eher oder sehr plausibel.
„Die Befunde zeigen, dass Desinformation bei einem beträchtlichen Teil der Bevölkerung auf Resonanz stösst“, erklärt Prof. Dr. Mark Eisenegger vom Forschungszentrum Öffentlichkeit und Gesellschaft (fög).
Die statistische Auswertung enthüllte: Wer vorwiegend etablierte Nachrichtenmedien nutzt, stimmt solchen Verschwörungsbehauptungen seltener zu als Menschen, die fast keine Nachrichten lesen oder hören. Dieser Zusammenhang blieb auch bestehen, nachdem die Forscher unter anderem Bildung, politische Orientierung und eine allgemeine Neigung zum Verschwörungsdenken berücksichtigt hatten.
Anders sieht es bei Menschen aus, die nur wenige journalistische Nachrichten konsumieren, aber gelegentlich auf TikTok, Instagram oder kostenlose Onlineangebote zurückgreifen. Sie unterschieden sich in der Anfälligkeit nicht statistisch bedeutsam von Menschen, die nahezu ganz auf Nachrichten verzichten. Auch eine besonders intensive Nutzung vieler verschiedener Kanäle war für sich genommen nicht eindeutig mit geringerer Anfälligkeit verbunden.
„Nachrichtenkonsum über Social Media bietet keinen erkennbaren Schutz vor Desinformation, wenn man sich nicht zusätzlich über journalistische Quellen informiert“, sagt Prof. Dr. Mark Eisenegger.