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Welche Folgen das Wahlergebnis für Brasilien haben könnte
Ihm fehlen Millionen Stimmen, doch seine Niederlage akzeptiert er nicht: Brasiliens rechter Präsidentschaftskandidat Bolsonaro. Das weckt Erinnerungen an die Abwahl seines Vaters. Was nun folgen könnte, erklärt Experte Maihold.
tagesschau24: Der rechte Herausforderer Flávio Bolsonaro will Lula da Silvas Sieg nicht anerkennen. Was steht Brasilien bevor?
Günther Maihold: Das haben wir bereits vor vier Jahren bei Bolsonaros Vater erlebt. Der wollte damals - genau wie sein Sohn heute - das Wahlergebnis nicht anerkennen. Es kam zu gewaltsamen Übergriffen auf den Palast in der Hauptstadt. Es ist ein schlechtes Omen für die Zukunft des Bolsonaro-Sohns, wenn auch er jetzt als schlechter Verlierer dasteht und versucht, auf dem juristischen Wege zu erreichen, was ihm an den Urnen nicht möglich war.
tagesschau24: Lula sagte nach der Wahl, niemand müsse den gewählten Präsidenten mögen, aber er müsse für alle regieren. Bei 51,8 Prozent der Stimmen, muss Lula nun genau das tun. Wie kann ihm das gelingen?
Maihold: Er steht jetzt einer rechten Mehrheit im Parlament, im Senat, aber auch auf lokaler Ebene gegenüber. Das fordert sehr viel Verhandlung. Er muss kompromissfähig sein, aber auch seine Gegner müssen Kompromisse eingehen wollen. Es muss darum gehen, die starke Polarisierung zu senken und dafür zu sorgen, dass man miteinander auskommt und dass damit ein berechenbares Regieren möglich wird.
Der linksgerichtete Staatschef Lula da Silva hat die Präsidentschaftswahl in Brasilien gewonnen.
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tagesschau24: Vor welchen Herausforderungen steht Brasilien wirtschaftlich und politisch?
Maihold: Es ist natürlich eine sehr schwierige Situation, in diesem riesigen Land ähnliche oder gleichwertige Lebensverhältnisse herzustellen. Zentrale Herausforderungen sind, die Inflation zu kontrollieren, ein nachhaltiges Wirtschaftswachstum sicherzustellen, die Beschäftigung wieder voranzutreiben - und gleichzeitig den Amazonas zu schützen. Das erfordert einen sehr kompetenten Regierungsapparat und Minister, die in der Lage sind, hier eine Verständigung herbeizuführen.
tagesschau24: Das Thema Sicherheit war im Wahlkampf sehr prominent. Wo liegen da die Herausforderungen?
Maihold: Es gibt mehrere Verbände der Organisierten Kriminalität im Drogenbereich, die aus den Gefängnissen heraus mit eigenen Strukturen in den bevölkerungsreichen Stadtvierteln präsent sind und dort quasi autonom regieren. Hier hat man einen großen Widerstand bei Aktionen des Staates erlebt. Bolsonaro hat das zu seinem zentralen Thema gemacht, weil natürlich viele Leute die Sicherheit auf den Straßen und zu Hause als das zentrale Element ihres Alltags betrachten. Lula muss das nun aufgreifen.