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Vorwurf der Piraterie: Azahar wirft Anbernic-Handhelds aus dem offiziellen Support
Das Azahar-Team zieht Konsequenzen aus Anbernics RG DDS: Weil der Hersteller auf dem am 10. Dezember erscheinenden Handheld laut den Entwicklern eine inoffizielle, auf Piraterie ausgerichtete Abspaltung des 3DS-Emulators zeigt, verlieren der RG DDS und andere Anbernic-Geräte den offiziellen Azahar-Support.
Für Anbernics kommenden RG DDS und weitere Geräte des Herstellers wird es künftig keinen offiziellen Support durch das Team des Nintendo-3DS-Emulators Azahar mehr geben. Anlass ist ein Video für das neue Dual-Screen-Handheld, in dem Anbernic eine nicht offizielle Abspaltung von Azahar einsetzt, die vom Hersteller „Azahar Plus“ genannt wird. Von dieser Variante distanzieren sich die Entwickler ausdrücklich und bezeichnen sie als „inoffizielle, auf Piraterie ausgerichtete Abspaltung“. Die nun getroffene Entscheidung hat unmittelbare Folgen für die technische Unterstützung: Treten auf Anbernic-Geräten Probleme oder Fehler auf, will das Azahar-Team diese weder untersuchen noch beheben. Nutzern, denen ein garantierter offizieller Support wichtig ist, legen die Entwickler deshalb ausdrücklich Geräte anderer Hersteller nahe.
Mit dem RG DDS bringt Anbernic ein Dual-Screen-Handheld auf den Markt, dessen Konzept sich eng am Nintendo 3DS orientiert. Ein entsprechendes Video zeigt das Gerät beim Ausführen von 3DS-Spielen. Zum Einsatz kommt dabei allerdings nicht die offizielle Version von Azahar, sondern eine abgespaltene Variante des Emulators. Genau dieser Umstand stößt beim Azahar-Team auf Kritik. Nach internen Gesprächen hätten die Entwickler entschieden, künftig weder den RG DDS noch andere Geräte von Anbernic offiziell zu unterstützen. Die Konsequenzen beschränken sich damit nicht auf eine Distanzierung von der eingesetzten Software: Gerätespezifische Fehlerberichte will das Team ebenfalls nicht untersuchen und daraus resultierende Probleme nicht beheben.
Ein Grund für die deutliche Reaktion ist auch die Sorge vor möglichen juristischen Konsequenzen. Azahar ging aus dem Emulator Citra hervor, dessen Entwicklung 2024 nach einem rechtlichen Vorgehen von Nintendo eingestellt wurde. Das dürfte kaum überraschen, denn Nintendo ist für sein konsequentes Vorgehen gegen die Emulation aktuellerer Systeme bekannt. Für das Projekt wäre daher insbesondere der Eindruck problematisch, die auf Anbernic-Hardware präsentierte und auf Piraterie ausgerichtete Abspaltung sei von den eigentlichen Azahar-Entwicklern autorisiert worden.
Für Anbernic kommt der aktuelle Vorwurf zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt. Der chinesische Retro-Spezialist sieht sich derzeit bereits mit dem Vorwurf konfrontiert, Handhelds beziehungsweise mitgelieferte SD-Karten mit zahlreichen urheberrechtlich geschützten Spielen auszuliefern, ohne die dafür erforderlichen Rechte zu besitzen. Die Entertainment Software Association (ESA) hat das Büro des US-Handelsbeauftragten USTR deshalb dazu aufgefordert, derartige „Pirateriegeräte“ im Zuge der Notorious Markets List genauer zu untersuchen. Anbernic wird in dem Anliegen ausdrücklich genannt. Nach Einschätzung des Branchenverbands stellen die aus China importierten Geräte eine Form kommerzieller Piraterie dar; als mögliche Folge könnten entsprechende Importe in die USA eingeschränkt oder vollständig unterbunden werden.
Bislang liegt lediglich eine Empfehlung der ESA vor, konkrete Maßnahmen gegen Anbernic wurden hingegen noch nicht beschlossen. Dem Bericht zufolge sind vorinstallierte Spielesammlungen bei größeren Handheld-Herstellern mittlerweile zwar seltener geworden, im Markt kommen sie jedoch weiterhin vor. In Italien wurden in der Vergangenheit beispielsweise bereits 12.000 Produkte von Anbernic beschlagnahmt.