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Wahl in Israel: "Patt-Situation vielleicht gar nicht auflösbar"
Israel könnte nach der Parlamentswahl erneut auf Neuwahlen zusteuern, sagt der Nahost-Experte Woertz im Interview. Zugleich seien neue Kämpfe im Iran-Krieg nicht auszuschließen - wovon Premier Netanjahu auch profitieren könnte.
NDR Info: Haben Sie so ein knappes Rennen erwartet und dass gerade auch der Likud von Benjamin Netanjahu doch noch mal so viele Stimmen holt?
Eckart Woertz: Es war weithin erwartet worden, dass wir diese Patt-Situation haben werden, dass also der Regierungsblock seine absolute Mehrheit der Sitze verliert, aber auch der Oppositionsblock eine solche nicht erringt. Jetzt hat man diese Situation und wird schauen müssen, wie diese sich auflösen lässt - oder ob sie vielleicht gar nicht auflösbar ist. Dann würde man wieder zu Neuwahlen kommen, wie das ja in der Periode von 2019 bis 2021 wiederholt der Fall war.
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28.10.2026
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NDR Info: Schafft man es nicht mit der Regierungsbildung, könnte Netanjahu zunächst an der Spitze einer Übergangsregierung im Amt bleiben. Aber was würde das dann für Israel bedeuten? Eine politische Dauerkrise bis zu immer neuen Parlamentswahlen?
Woertz: Es könnte eine gewisse Unsicherheit fortbestehen. Man muss auch sehen, dass es in nächster Zukunft andere Veränderungen geben könnte. Es gibt Befürchtungen, dass es einen weiteren größeren Waffengang im Iran-Krieg geben könnte, was auch die interne israelische Dynamik etwas verändern würde. Und auch die vielen Auslands-Israelis, die jetzt für diese Wahl angereist sind und eher dem zentristischen und linken Spektrum zuzuordnen sind, würden vermutlich bei einer Neuwahl nicht unbedingt erneut anreisen.
Insofern könnte hier eine Spekulation von Netanjahu durchaus sein, dass er als politischer Überlebenskünstler bei Neuwahlen eventuell besser abschneiden könnte als in diesen Wahlen.
Aber zunächst muss man schauen, ob eine Regierungsbildung möglich ist. Die Opposition selber hätte mit Duldung der arabischen Parteien durchaus eine Mehrheit. Allerdings haben verschiedene Oppositionsparteien eine solche Duldung in der Vergangenheit ausgeschlossen. Das wäre zum Beispiel eine Möglichkeit, dass man vielleicht doch zu einer Einigung kommt.
NDR Info: Netanjahu hat einen Vorteil: Er hat Erfahrung als Premier. Sie haben ihn auch einen politischen Überlebenskünstler genannt. Sein Herausforderer, Ex- Armeechef Gadi Eisenkot, hat das nicht. Könnte es aber Eisenkot doch noch gelingen, seine Stärken stärker ins Spiel zu bringen?